Nach blutigen Krawallen Libysche Panzer fahren in Tripolis auf
Proteste am Sonntag in Tripolis: Panzer gehen in der Hauptstadt in Stellung
Foto: Sabri Elmhedwi/ dpaTripolis - Dutzende Panzer sind am Montag auf den Straßen von Tripolis aufgefahren. Das berichtet ein Korrespondent der Agentur AFP. Die libysche Regierung erklärte, "zahlreiche Einheiten der nationalen Armee" würden an den Hauptverkehrsadern in der Hauptstadt stationiert. Damit reagiert die Regierung auf die blutigen Zusammenstöße zwischen Milizen und Demonstranten.
Die Situation wird gerade auch für Politiker gefährlich: Am Montag entging der Militärgouverneur von Bengasi im Osten des Landes einem Anschlag. Das teilte ein Sicherheitsverantwortlicher mit. Bei dem Sprengstoffattentat auf den Konvoi von Oberst Abdallah al-Saiti gab es demnach einen Toten und einen Schwerverletzten. Mehrere Fahrzeuge seien schwer beschädigt worden.
Unterdessen kam der Vizechef des libyschen Geheimdienstes, Mustafah Nuh, wieder auf freien Fuß. Er war am Sonntag in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt Tripolis entführt worden, als er gerade von einer Auslandsreise zurückgekehrt war. Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte, die Entführer hätten Nuh am Montag freigelassen. Der Geheimdienstfunktionär habe später gesagt, dass es sich bei den Entführern um "Kriminelle" aus der Stadt Sintan handele.
Tripolis binnen 72 Stunden verlassen
Angesichts der Gewalteskalation riefen führende Persönlichkeiten in Misurata alle aus der östlichen Hafenstadt stammenden Milizen auf, Tripolis binnen 72 Stunden zu verlassen. In einer am späten Sonntagabend veröffentlichten Erklärung von Würdenträgern und ehemaligen Rebellenchefs aus Misurata hieß es, die gewaltsamen Zusammenstöße in Tripolis seien Ergebnis eines im Voraus vorbereiteten Plans, Misurata zu diskreditieren und die Stadt als "einziges Hindernis beim Staatsaufbau" anzuschwärzen.
Die Gewalt war am Freitagabend nach einer zunächst friedlichen Demonstration gegen die mächtigen Milizen in Libyen eskaliert. Aus dem Hauptquartier einer aus Misurata stammenden Miliz waren Schüsse auf die Demonstranten abgefeuert worden. Nach amtlichen Angaben wurden mehr als 40 Menschen bei den Unruhen getötet und über 450 weitere verletzt. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 hatten viele Libyer die Milizionäre zunächst als Helden gefeiert. Sie weigern sich jedoch bis heute, ihre Waffen abzugeben oder sich in die neuen Sicherheitskräfte einzugliedern.