Litwinenko-Affäre Moskaus vage Drohung
Moskau - "Das ist keine Einladung zur Kooperation", sagte Russlands Vize-Außenminister Alexander Gruschko heute in einer Pressekonferenz über die von London geplante Ausweisung von vier russischen Diplomaten - "es scheint eher eine Konfrontation zu sein". Gruschko kündigte eine "angemessene Antwort" seines Landes an - sie werde bald erfolgen. Und sie werde sowohl die Interessen der einfachen Leute als auch die der Geschäftswelt betreffen, ergänzte er nebulös.
Es sei klar, dass die Politik der britischen Regierung die Zusammenarbeit der Justizbehörden in Sicherheitsfragen erschwere wenn nicht ganz verhindere.
Bereits gestern hatte Russland den Briten mit einer scharfen Reaktion gedroht. Die geplante Ausweisung der Diplomaten sei "unmoralisch" und "aggressiv".
Der Grund für die Eskalation: Die Briten fordern die Überstellung des Hauptverdächtigen im Mordfall Alexander Litwinenko. Der frühere russische Ex-Geheimdienstler war 2006 in London vergiftet worden. Die britische Justiz sieht in dem Geschäftsmann Andrej Lugowoj, ebenfalls ein Ex-KGB-Offizier, den Hauptverdächtigen.
Großbritanniens neuer Außenminister David Milliband hatte gestern die Ausweisung von vier russischen Diplomaten in einer Rede im Unterhaus angekündigt. "Wir haben uns entschieden, vier Diplomaten, vier bestimmte Diplomaten auszuweisen, um der russischen Regierung ein klares Signal über die Ernsthaftigkeit des Falls zu senden."
In russischen Medien war wegen der Ausweisung der Diplomaten von einer "diplomatischen Kriegserklärung" die Rede. "Großbritannien und Russland sind in einen diplomatischen Krieg ungeahnten Ausmaßes geschlittert", schrieb die Wirtschaftszeitung "Kommersant".
Russische Kommentatoren warfen den Briten Doppelzüngigkeit vor, weil sie zahlreiche russische Auslieferungsgesuche ignoriert hätten - zum Beispiel die des Medienmoguls und erklärten Gegners von Präsident Wladimir Putin, Boris Beresowski. "Während der letzten sechs Jahre hat Moskau 21 Auslieferungsgesuche an Großbritannien gesandt, aber es wurde kein einziger Verdächtiger überstellt", klagte die Regierungszeitung "Rossiyskaja Gaseta". Unter den Gesuchten seien Mörder, Terroristen, Drogendealer und Betrüger gewesen.
Sechs der Beschuldigten hätten in Großbritannien sogar politisches Asyl erhalten.
Die Zeitungen verwiesen zugleich auf die milliardenschweren britischen Investitionen in Russland, die das Königreich nicht gefährden wolle. Großbritannien ist vor allem im politisch sensiblen Öl- und Gassektor engagiert. Der russische Botschafter in London, Juri Fedotow, sagte der "Nesawisimaja Gaseta", beide Länder hätten viel zu verlieren.
hen/Reuters