Logbuch al-Qaida Muttertag bei der IBU
"An meine liebe Mutter": Halbstündige Liebeserklärung aus dem Terrorlager
Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU)
Schon seit über einem Jahr taucht der Bonner Islamist Yassin C. alias Abu Ibraheem in Propagandavideos der auf. Meistens ist er an der Seite seines Bruders Munir alias Abu Adam zu sehen, die beiden besteigen Berge, attackieren pakistanische Soldaten, schießen mit schwersten Waffen, beten, singen und versorgen ihre Verwunderten.
Die beiden Brüder sind Aushängeschilder der IBU, nicht wenige deutsche Dschihadisten, vermuten Sicherheitsbehörden, sind ihrem Ruf gefolgt. Den bewaffneten Kampf im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet beschreiben sie nicht nur als Pflicht, sondern auch als Vergnügen und Kameradschaftserlebnis.
Gerade ist bekannt geworden, dass mindestens drei (ihrer deutschen Kampfgefährten Anfang dieses Monats durch US-Drohnen getötet wurden. Ob Abu Ibraheem dies bereits wusste, als er sein aktuelles Videos im Internet veröffentlichen ließ, oder gerade nicht, kann man von hier aus nicht beurteilen. Aber irgendwie wirkt es merkwürdig, gerade zu diesem Zeitpunkt seine halbstündige und äußerst schwülstige Hymne auf seine Mutter anzuhören - und auf alle Mütter, deren Söhne in den Kampf gezogen sind.
"Ich bin weit weg", schmachtet der Bonner, "wenn ich an dich denke, überfällt die Sehnsucht mein Herz." Der Sinn der Ansprache ist offenbar, den Eltern und insbesondere den Müttern in der alten Heimat Deutschland klarzumachen, dass es die Religion war, die sie nach Waziristan gebracht hat, und nicht der Wunsch, sich von ihren Angehörigen loszusagen. "Denkst du etwa, ich liebe dich nicht?", fragt Abu Ibraheem daher. Aber er habe nicht "sitzen bleiben" können, während doch die Muslime auf der gesamten Welt attackiert würden.
Reaktion auf flehende Eltern?
Ausgiebig beschreibt er das Paradies, in das er in der Folge einzugehen hofft: Flüsse aus Honig, Genuss für die Ewigkeit erhofft er sich.
Das Video könnte auch eine Reaktion auf Versuche der Eltern sein, ihre Söhne (und Töchter) zur Rückkehr zu bewegen. Schließlich halten nicht wenige von ihnen offenbar per E-Mail oder Telefon losen Kontakt. Abu Ibraheem jedenfalls richtet seiner Mutter und allen anderen Eltern aus, sie seien keineswegs einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Eher schon verhalte es sich andersherum: "Schaut auf euer Leben und fragt euch erneut, wer hier einer Gehirnwäsche unterzogen wurde."
Höhepunkt und Ende des Films bildet ein mehrstrophiges deutsches Lied, das C. seiner Mutter widmet. "Mutter bleibe standhaft, dein Sohn ist im Dschihad", lautet der Refrain, während im Hintergrund digitale Rosen regnen. Es ist nicht das erste Mal, das Yassin C. singt - ein erstes Werk, das er mit Kampfgefährten zusammen aufnahm und veröffentlichte, wurde in der Dzene in Deutschland zu einem kleinen Download-Hit.
Ob Yassin C. noch lebt, wie es ihm geht - das erfährt man aus dem Video nicht. Es ist datiert auf den Ramadan und den September 2010. Der Ramadan endete am 9. September, es ist also wohl vorher entstanden - und damit bevor US-Drohnen die deutschen IBU-Kämpfer trafen. Bisher gibt es allerdings auch keine Hinweise darauf, dass die Gebrüder C. getroffen wurde.