Italiens neuer Familienminister Fontana "Existieren Regenbogenfamilien?"
Lorenzo Fontana
Foto: Ernesto S. Ruscio/ Getty ImagesDer Start der neuen Regierung in Italien verlief alles andere als glatt. Und es wird nicht besser, nun, da es die Koalition der Populisten von Fünf-Sterne-Bewegung und Lega Nord doch noch an die Macht geschafft hat. Aktuell sorgen die Aussagen des frisch vereidigten Familienministers, Lega-Mann Lorenzo Fontana, für Krach zwischen den beiden Partnern dieser politischen Zweckehe.
Auf die Frage eines Journalisten, was er in seiner neuen Funktion zu tun gedenke für Familien von zwei Frauen oder zwei Männern, reagierte Fontana mit einer Gegenfrage: "Existieren Regenbogenfamilien?" Als der Interviewer bejahte korrigierte ihn der konservative Katholik und Abtreibungsgegner. "Gesetzlich existieren sie derzeit nicht", sagte Fontana - seine Tochter auf dem Arm haltend. "Ich bin katholisch, das verberge ich nicht. Und deshalb sage ich auch, dass die Familie jene ist, wo ein Kind eine Mama und einen Papa haben soll."
Seit Mai 2016 sind eingetragene Lebenspartnerschaften für Homosexuelle allerdings im italienischen Gesetz verankert. 173 Senatoren hatten damals dafür gestimmt, dass Schwule und Lesben eine Gütergemeinschaft bilden, Hinterbliebenenrente beziehen, Doppelnamen oder eine Familienversicherung haben dürfen. Nur das Adoptionsrecht haben sie nicht.
Auch der Lega-Chef distanziert sich
Maria Edera Spadoni (Fünf Sterne) nannte Fontanas Äußerungen "unangemessen". Es sei kein Geheimnis, dass die beiden Regierungsparteien in ethischen Fragen vollkommen unterschiedliche Standpunkte vertreten, sagte die Politikerin der Zeitung "Corriere della Sera". Aus gutem Grund seien Themen mit Spaltpotenzial nicht Teil des Koalitionsvertrages.
Neben der gleichgeschlechtlichen Ehe sind sich Lega und Fünf Sterne auch uneins bei Patientenverfügungen und Schwangerschaftsabbrüchen. Die sind zwar seit 40 Jahren in Italien erlaubt, die meisten Ärzte verweigern den Eingriff aber. Der Ärzteverband Laiga nennt die Situation besorgniserregend. In den eher konservativen, südlichen Regionen nähmen bis zu 85 Prozent der Ärzte keine Abtreibungen vor. Viele katholische Kliniken lehnen den Abort kategorisch ab.
Es sei schlimm, wenn ein Minister eine solch "falsche und beleidigende Meinung" vertrete, sagte der Vorsitzende des Schwulenverbandes Gaynet, Francesco Lepore. Der Vorsitzende des Verbandes Arcigay, Gabriele Piazzoni, sagte: "In den letzten 24 Stunden haben wir zahlreiche Erklärungen von Minister Salvini und Minister Fontana gelesen, die aus einer Zeit von vor mindestens einem halben Jahrhundert stammen könnten."
Lega-Chef und Innenminister Matteo Salvini bemühte sich um Schadensbegrenzung. Es sei nicht das Ziel der Regierung, die liberale Gesetzgebung der vorherigen Legislative zu revidieren. Seinem Parteikollegen gestatte er aber "seine eigenen Vorstellungen". Die dürften von denen Salvinis nicht weit entfernt sein. Der Lega-Chef propagiert nämlich auch gerne den Klassiker Mama, Papà e Bambini.