Lückenhaftes Waffendossier "Das ist Iraks letzte Chance"
Washington - Auf die Frage, ob der irakische Machthaber Saddam Hussein Lücken in der Liste nachträglich noch füllen dürfe, antwortete Sprecher Ari Fleischer, das komme nicht in Frage. "Ich denke, die Absicht der Uno war völlig klar: Das ist Iraks letzte Chance, die Welt akkurat und vollständig darüber zu informieren, welche Massenvernichtungswaffen er besitzt."
Noch einmal gefragt, ob es nicht doch eine zweite Chance für Saddam geben werde, sagte Fleischer mit Blick auf vom Irak nicht befolgte Uno-Resolutionen: "Sie haben schon 16 gehabt."
Zuvor hatten britische Regierungsexperten die Dokumente als sehr enttäuschend bezeichnet. Nach einer ersten Analyse des Waffendossiers hätten die Experten große Lücken in dem Dossier festgestellt, berichtete die "Financial Times". So schweige der Irak beispielsweise zum Verbleib von chemischen und biologischen Materialien, die bereits bei den Uno-Waffeninspektionen vor vier Jahren vermisst wurden, hieß es.
"Was chemische, biologische und nukleare Kapazität angeht, sind wir der Meinung, das vieles fehlt", wurde ein Regierunsexperte zitiert. Der irakische Präsident Saddam Hussein habe eine gute Gelegenheit verpasst, sagte er.
Unterdessen ist die in London die Konferenz irakischer Oppositionsgruppen wegen Streitigkeiten erneut verlängert worden. Trotz tagelanger Beratungen gelang es den Vertretern der insgesamt etwa 50 Oppositionsgruppen nicht, sich auf die endgültige Sitzverteilung für ein künftiges gemeinsames Organisationskomitee zu einigen. Dies sollte nun in Nachtverhandlungen versucht werden. Nach weiteren Beratungen soll am Dienstag ebenfalls eine abschließende gemeinsame Erklärung der 350 Delegierten vorgelegt werden. Darüber sei bereits weitgehende Einigung erzielt worden.
Nabil Musawi vom Oppositions-Dachverband Irakischer Nationalkongress (INK) drückte am Abend die Hoffnung aus, dass mit der Erklärung die Skepsis über die angebliche tiefe Zerstrittenheit der irakischen Opposition beendet werden könne. Nach seinen Worten haben die größeren Oppositionsgruppen ihr Möglichstes getan, um eine faire Vertretung aller Organisationen in dem gemeinsamen Komitee sicherzustellen.
"Es ist sehr sehr schwierig, alle Gruppen des Iraks in dieses Komitee einzubinden", sagte Hoschyar Sabiri, Sprecher der Demokratischen Partei Kurdistans. Die Namen der Mitglieder sollen nun an diesem Dienstag bekannt gegeben werden. Das von vielen bereits als vorläufige Übergangsregierung angesehene Komitee soll zunächst bis zum Sturz des irakischen Machthabers Saddam Hussein als Sprachrohr einer vereinigten irakischen Opposition fungieren.
Sabiri kündigte an, dass die irakische Bevölkerung nach einem Sturz von Saddam Hussein in einem Referendum über die künftige Staatsform mitentscheiden soll. Dabei gehe es darum, ob der Irak eine Republik oder eine Monarchie sein solle, sagte Sabiri.