Luftangriff: Bagdad bebt - DER SPIEGEL
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Luftangriff Bagdad bebt

Die Bombenangriffe auf die irakische Hauptstadt nehmen an Intensität zu. In der Nacht von Montag auf Dienstag erschütterten ungewöhnlich schwere Detonationen Bagdad. Beobachter sprechen von den bisher heftigsten Einschlägen des Krieges.
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Bagdad/Hindijah - "Möglicherweise werden größere Bomben als bisher benutzt", berichtete die Reuters-Korrespondentin Samia Nakhoul über die Auswirkungen der Luftangriffe in der Nacht zum Dienstag. Mindestens fünf schwere Explosionen haben das Zentrum der irakischen Hauptstadt demnach erschüttert. Getroffen wurde offenbar ein Präsidentenpalast, der von Saddam Hussein und seinem Sohn Kussei verwendet wird. Kussei ist Befehlshaber der Republikanischen Garde, ihm unterstehen die Elitetruppen in Bagdad und der Stadt Tikrit.

Ebenfalls getroffen wurde anscheinend die Zentrale des irakischen olympischen Komitees, das von Saddams anderem Sohn Udai geleitet wird. "Es brennt, es ist ein riesiges Feuer", berichtete Reuters-Korrespondent Khaled Yacoub Oweis. Erst am Montag zeigte das irakischen Fernsehen angeblich aktuelle Aufnahmen, auf den Saddam mit seinen beiden Söhnen zu sehen ist. Auch das Telefonnetz der Hauptstadt soll im Zuge der Attacke erneut getroffen worden sein. Die Kommunikation ist maßgeblich beeinträchtigt.

Flugabwehrfeuer war kurz vor den schweren Explosionen zu hören. Die Wucht der Einschläge scheint beträchtlich gewesen zu sein. "Es ist sehr beängstigend. Die Leute geraten in Panik. Ich kann die Schreie auf der Straße hören", schilderte Reuters-Korrespondentin Nakhoul die Szene.

Am frühen Dienstagmorgen erschütterten weitere Explosionen die Stadt. "Ich habe mehr als zwölf (Explosionen) gezählt und sie bringen das Zentrum (der Stadt) zum Beben", sagte Reuters-Korrespondent Nadim Ladki. Die Explosionen hätten mehrere Kilometer entfernt stattgefunden, "aber es ist klar, dass sie groß sind."

Dauerbeschuss am Montag

Die Alliierten hielten am Montag an ihrem Dauerbeschuss Bagdads fest. Erstmal wurden nach Angaben der USA bei den Angriffen auf die Metropole gleichzeitig schwere Bomber der Typen B1, B2 und B52 eingesetzt. Nach den Luftangriffen brannte das Informationsministerium rund 30 Minuten, ehe das Feuer gelöscht werden konnte. Bei den jüngsten Bombardements sollen nach irakischen Angaben auch zwei Kinder ums Leben gekommen sein. In der Nähe eines Einkaufszentrums wütete ebenfalls ein Feuer

In den vergangenen Tagen hatten sich die Luftangriffe der Alliierten auf Stellungen der Republikanischen Garde südlich von Bagdad konzentriert. Nach Angaben von Generalstabschef Richard Myers wollen die US-Streitkräfte den Druck auf die Elitetruppen weiter erhöhen: "Wir werden einfach weiter die Schlinge immer enger ziehen."

Allein am Wochenende seien 3000 so genannte "Präzisionsbomben" im Irak abgeworfen worden, mehr als ein Drittel der bislang eingesetzten 8000 Stück. Dadurch seien die Truppen Saddam Husseins erheblich aufgerieben worden, hieß es bei einem Briefing des Pentagon.

Die Schlacht um Hindijah tobt

Die US-Streitkräfte wollen sich Bagdad nach Angaben des Pentagons nun schrittweise aus dem Süden, Westen und Norden nähern. Einige Einheiten seien inzwischen in die "rote Zone" eingedrungen, in der mit besonders erbittertem Widerstand der irakischen Truppen gerechnet wird. Zugleich intensivierten die US-geführten Truppen ihr Trommelfeuer auf die irakische Staaten. "Tag für Tag kommen wir Bagdad ein Stück näher", sagte US-Präsident Bush bei einer Rede in Philadelphia.

Das 4. Bataillon des 6. US-Panzerregiments sei seit dem frühen Morgen in die 80.000-Einwohner-Stadt Hindijah eingerückt, hieß es aus Militärkreisen. Hindijah liegt rund 80 Kilometer südlich von Bagdad nahe des antiken Babylons. Dort wurde eine strategisch wichtige Brücke über den Euphrat erobert.

Dabei wurden die Soldaten von Irakern, die sich hinter Hecken und Mauern verschanzt hatten, mit Granaten beschossen. Bei den Straßenkämpfen wurden nach US-Angaben mindestens 15 Iraker getötet und mehrere Dutzend gefangen genommen. Diese Kämpfer sollen sich als Mitglieder der Republikanischen Garde ausgegeben haben, der Elitetruppe von Staatschef Saddam Hussein. Sie präsentierten das dreieckige Emblem der Nebutschadnessar-Brigade, die in Saddam Husseins Heimatstadt Tikrit stationiert ist.

Mindestens hundert irakische Kämpfer in Nadschaf getötet

Heftige Kämpfe wurden auch aus Nadschaf, rund 80 Kilometer weiter südlich gelegen, gemeldet. Nach der Errichtung eines Belagerungsrings blieb zunächst unklar, ob die US-Truppen in die Stadt einmarschieren wollten. In Nadschaf hatte sich am Samstag ein Iraker in die Luft gesprengt und vier Amerikaner mit in den Tod gerissen. Bei Gefechten in der Region seien etwa hundert paramilitärische Kämpfer getötet und 50 Iraker gefangen genommen worden, teilte das US-Zentralkommando mit.

Laut BBC sind die US-Truppen um die Stadt Nassirija im südlichen Euphrat-Tal erneut um rund 5000 Mann verstärkt worden. Sie sollen den anhaltenden Widerstand der Iraker brechen. Erneut gab es Berichte, dass in aufgegebenen irakischen Stellungen in Nassirija Gasmasken und Chemie-Schutzanzüge gefunden worden seien.

Briten ziehen Ring um Basra immer enger

Unterdessen setzten britische Truppen ihre bislang größte Offensive im Irak-Krieg fort. Sie sei von dem südlichen Vorort von Basra, Abu el Chasib, ausgegangen. Die Einheiten, insgesamt rund 1000 Mann, seien nur noch etwa eineinhalb bis zwei Kilometer von Basra entfernt, hieß es. Die Stadt sei praktisch eingeschlossen, sagte eine BBC-Reporterin.

Ein britischer Militärsprecher sagte, nördlich von Basra seien hunderte irakischer Soldaten gefangen genommen und 17 irakische T-55-Panzer zerstört worden. Die Angriffe würden fortgesetzt.

Der Sprecher machte auch einen Wandel in der Haltung der Bevölkerung Basras aus. "Sie kommen auf uns zu, sprechen mit uns und fassen Vertrauen", sagte er. Außerdem gäben sie Hinweise auf irakische Stellungen in der Stadt.

Bei Gefechten um die Kontrolle über die zentralirakische Stadt Nadschaf wurden nach Angaben des BBC-Fernsehens etwa hundert irakische Kämpfer getötet.

Arabische Fernsehsender berichteten unterdessen von Angriffen der Amerikaner auf ein Dorf nördlich von Nassirija, in dem irakische Offiziere und Funktionäre der Baath-Partei vermutet wurden. Die irakischen Medien sprachen von einem "barbarischen Angriff", bei dem ausschließlich Zivilisten verletzt worden seien.

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