Luftkrieg USA setzen die Riesenbombe ein
Islamabad/Washington - Gestärkt von den heftigen Luftangriffen der Amerikaner verzeichnete die Nordallianz am Dienstag offenbar einen strategischen Erfolg im Kampf gegen das Talibanregime. Nach Angaben der privaten afghanischen Agentur AIP verloren die Taliban den wichtigen Bezirk Sari westlich von Masar-i-Scharif im Norden des Landes. Die USA bombardieren seit Tagen die Taliban-Stellungen besonders in dieser Region, um der Opposition die Eroberung der strategisch wichtigen Stadt zu ermöglichen. Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wurde die Zahl der US-Spezialtrupps inzwischen verdreifacht, soll aber nach Worten von Pentagonbeamten immer noch unter 100 liegen.
Die US-Luftwaffe griff nach Meldungen von AIP Ziele in insgesamt zehn der 30 afghanischen Provinzen an. Washington sprach von "substanziellen Verlusten" bei den Taliban-Truppen durch die verstärkten Bombenattacken an den Frontlinien. Erstmals setzten die USA dabei nach Medienberichten die Benzinbombe vom Typ "Daisy Cutter" in Afghanistan ein.
Nach Angaben des Talibansprechers Mullah Amir Khan Mutaki bauen die USA angeblich nördlich von Kabul in einem von der Nordallianz gehaltenen Gebiet einen Flughafen. Dieser werde von den Taliban angegriffen werden. Es gebe "haufenweise Waffen" in Afghanistan, und die USA könnten es nicht wagen, eigene Bodentruppen einzusetzen.
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Die Taliban erschweren nach amerikanischen Angaben die US-Militäraktion in zunehmendem Maß, indem sie ihre Unterkünfte verlassen und in Wohngebiete, Kulturzentren oder Moscheen ziehen. Ganze Dörfer würden als "menschliche Schutzschilde" benutzt, zitierte die "Washington Post" am Dienstag einen hohen Regierungsbeamten. Der Zeitung zufolge wächst die Frustration beim US-Militär über die Taliban-Taktik von Tag zu Tag.
In den ersten vier Wochen der Luftangriffe sollen nach einer eigenen Statistik von AIP 633 Zivilisten getötet worden sein. AIP listete Zahlen für 12 der 30 afghanischen Provinzen auf, die auf den Angaben von Informanten beruhten. Da die Taliban bis auf gelegentliche Ausnahmen keine Journalisten ins Land lassen, gibt es keine Möglichkeit, die Zahlen von AIP zu überprüfen. Die Taliban hatten bereits vor einer Woche von 1500 Toten gesprochen.
Ein US-Hubschrauber oder Kampfflugzeug soll nach Angaben der in Pakistan ansässigen Agentur, die sich auf Augenzeugenberichte beruft, in Pakistan abgestürzt sein. Dabei seien in der Nacht zum Montag vier US-Soldaten getötet worden. Das pakistanische Präsidentenamt konnte die Angaben nicht bestätigen. Das Pentagon dementierte den Abschuss.
Pentagon: Al-Qaida kann nicht mehr frei operieren
US-Präsident George W. Bush hat unterdessen die Entschlossenheit der USA bekräftigt, den Kampf gegen den Terror bis "bis zur Ausrottung" fortzusetzen. In einer über Satellit übertragenen Ansprache an eine Anti-Terror-Konferenz von 17 ost- und mitteleuropäischen Staaten in Warschau rief Bush zugleich die Welt auf, an der Seite der USA gegen das "Böse" zu streiten. Bushs Rede war die erste von drei Ansprachen an die amerikanische und internationale Öffentlichkeit, die der Präsident für diese Woche plant.
Die Terroristenorganisation al-Qaida kann sich nach Angaben des Pentagons wegen der unablässigen US-Angriffe nicht mehr frei in Afghanistan bewegen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Organisation in Afghanistan noch aktiv sei, sagte US-Admiral John Stufflebeem. "Sie haben nicht die Freiheit zu operieren, weil wir unsere Angriffe ständig fortsetzen", sagte Stufflebeem. Deshalb würden die USA die Militäraktion während des islamischen Fastenmonats Ramadan auch nicht unterbrechen. Im Augenblick komme es der al-Qaida darauf an, zu überleben. "Sie ist ganz zufrieden damit, die Taliban für sie arbeiten zu lassen."