Machtwechsel in Sri Lanka: Neuer Regierungschef kündigt Friedensgespräche an - DER SPIEGEL
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Machtwechsel in Sri Lanka Neuer Regierungschef kündigt Friedensgespräche an

Bei der von Gewalt überschatteten Parlamentswahl in Sri Lanka hat das Oppositionsbündnis um die Vereinigte Nationalpartei (UNP) einen klaren Sieg errungen.
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Colombo - Neuer Ministerpräsident wird damit der bisherige Oppositionsführer Ranil Wickremesinghe, dem Präsidentin Chandrika Kumaratunga am Freitag das Amt antrug. Der neue Regierungschef will sich mit den tamilischen Rebellen zu Friedensverhandlungen treffen, und er hat eine Politik der wirtschaftlichen Öffnung angekündigt.

Die oppositionelle Drei-Parteien-Allianz erzielte nach Angaben der Wahlkommission 129 der insgesamt 225 Sitze. Die UNP Wickremesinghes kam dabei auf 71 Mandate in dem Einkammerparlament.

Die Regierungskoalition unter Führung der seit 17 Jahren regierenden Volksallianz (PA) von Präsidentin Kumaratunga errang lediglich 96 Mandate. Kumaratungas Linksbündnis PA wird in der Nationalversammlung künftig nur noch 52 Abgeordnete stellen, die mitregierende marxistische Volksbefreiungsfront (PLF) zehn. Die Tamilische Vereinte Befreiungsfront erhielt drei Sitze. Trotz gravierender Unregelmäßigkeiten lehnten die Parteien eine Wiederholung der Wahl ab.

Der bisherige Ministerpräsident Rathnasiri Wickremanayake gestand seine Niederlage ein und trat zurück. Präsidentin Kumaratunga lud ihren Erzrivalen Wickremesinghe, dessen Ernennung zum Ministerpräsidenten sie zunächst ablehnen wollte, zu einem Gespräch über die Regierungsbildung am Samstag ein. Aus UNP-Kreisen verlautete, die Partei strebe eine Regierung der nationalen Einheit unter Einschluss der PA an.

Hauptthemen im Wahlkampf waren die Wirtschaftskrise und der seit 18 Jahren andauernde Bürgerkrieg mit den tamilischen Separatisten. Die Regierung warb für ein entschlossenes militärisches Vorgehen gegen die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), während die Nationalpartei Friedensgespräche in Aussicht stellte. Die Opposition hatte ihren Wahlkampf auf Wirtschaftsthemen ausgerichtet. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse stieg der Colombo-Aktienindex um mehr als 20 Prozent auf den höchsten Schlussstand seit drei Jahren.

Mit 61 Toten und mehr als 100 Verletzten war der Wahlkampf der blutigste in der 53-jährigen demokratischen Geschichte des Landes. Obwohl Wähler am Mittwoch in mehreren Bezirken mit Gewalt an der Stimmabgabe gehindert wurden, einigten sich die Parteien laut Wahlkommission darauf, die Wahl nicht wiederholen zu lassen. Im Norden und Osten des Landes hatte die Armee Straßenblockaden errichtet und die tamilische Minderheit an der Stimmabgabe gehindert. Daran übte der EU-Beobachter John Cushnahan scharfe Kritik. Die Aktionen der Armee seien nicht zu rechtfertigen und würfen ernste Fragen auf, sagte Cushnahan. Das seit Tagen verhängte Ausgehverbot wurde nach neuen Unruhen am Freitag weiter verlängert. In der Stadt Kandy steckten randalierende Moslems Häuser und eine Tankstelle in Brand, um gegen die Ermordung von zehn Mitarbeitern zu protestieren. Die moslemischen Mitarbeiter waren getötet worden, als sie eine Wahlurne zu einem Auszählungsbüro bringen wollten. Angehörige der Opfer machten die Regierung für den Angriff verantwortlich.