Märchen aus Tausend und einer Nacht - DER SPIEGEL
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Märchen aus Tausend und einer Nacht

"Die Ungläubigen begehen Selbstmord vor den Toren Bagdads." Mohammed Saïd al-Sahhaf, 7. April 2003.
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Als der irakische Informationsminister diese Worte spricht, fahren in Sichtweite Abrams-Panzer vorbei. Lügen von diesem Kaliber brachten dem gelernten Englischlehrer den Titel Comical Ali ein, in Anlehnung an seinen Kollegen "Chemical Ali". Selbstverständlich hat die irakische Regierung gelogen, getäuscht und getrickst. Sie ist des tausendfachen Massenmordes schuldig - erst die gewaltsame Befreiung des Landes hat die Folterkammern des irakischen Diktators geöffnet.

Nur war dies nicht der offizielle Grund für diesen Krieg.

Jahrelang spielte der Irak mit den Vereinten Nationen. Durch diese Trickserei ließ Saddam Hussein den möglichen Besitz von A-, B- und C-Waffen unwiderlegt. Schließlich konnte der Irak nie stichhaltige Dokumente über die Zerstörung dieser Waffen präsentieren, deren Erwerb die Regierung in Bagdad anstrebte, tatsächlich besaß und gegen Kurden und Iraner einsetzte.

Hans Blix, ehemaliger Chef der Uno-Waffeninspekteure, sinnierte einmal über das "böse Spiel", das die Iraker gespielt hätten. Er vermutete, dass es Saddam vor allem um die Ehre und die Souveränität seines Landes ging - und dass er sich womöglich schämte, nur leere Waffenkammern präsentieren zu können.

Auch der Berliner Islamwissenschaftler Peter Heine glaubt an die Möglichkeit, dass Saddam Hussein letztendlich verheerende Entscheidungen aus einem (in Arabien besonders ausgeprägten Gefühl) der Ehre traf. Das Regime habe ihn als "unantastbare Figur" kreiert: "Der Präsident macht keine Fehler, wenn was schief läuft, dann ist es auf jeden Fall nicht Saddam Hussein", meint Bleiche. "Solche Menschen werden leicht Opfer ihrer eigenen Propaganda." Sahhaf bestätigt die These des Wissenchaftlers mit folgendem Satz: "Lügen ist verboten im Irak. Saddam Hussein duldet nichts als die Wahrheit."

Mit solchen Sätzen wurde Sahhaf zum Symbol irakischer Verblendung . Seine letzte öffentliche Aussage in seinem Amt als irakischer Informationsminister lautete: "Ich kläre Sie jetzt darüber auf, dass Ihre Annahmen fern jeder Realität sind."

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