Massaker in Ruanda Zwei Nonnen schuldig
Brüssel - Das Gericht mit zwölf Geschworenen hielt nach elfstündigen Beratungen nur einen der vier Angeklagten, den Universitätsprofessor Vincent Ntezimana, für eingeschränkt schuldig, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Im Laufe des Tages wollte das Gericht wieder zusammentreten, um über das Strafmaß zu debattieren. Dazu werden neue Plädoyers von Anklage und Verteidigung erwartet. Den Angeklagten drohen lebenslange Haftstrafen.
Den beiden katholischen Ordensschwestern Consolata Mukangango, genannt Schwester Gertrude, und Julienne Mukabutera (Schwester Maria Kisito) wird ebenso wie Vincent Ntezimana und Ex-Minister Alphonse Higaniro vorgeworfen, den Völkermord von 1994 in dem afrikanischen Land vorbereitet, unterstützt oder selbst aktiv daran teilgenommen zu haben. Insgesamt waren in Ruanda rund 800.000 Menschen getötet worden. Schwester Gertrude und Schwester Maria Kisito sollen maßgeblich an den Massakern im Kloster von Sovu teilgenommen haben, bei denen in drei Phasen mehrere tausend Menschen ermordet wurden.
Higaniro wird beschuldigt, die Beschäftigten seiner Streichholz- Fabrik zur Tötung von Angehörigen der Tutsi-Volksgruppe angehalten zu haben. Ntezimana, der vierte Beschuldigte, ist unter anderem der eigenhändigen Tötung von neun namentlich bekannten Menschen angeklagt und soll Listen mit Todeskandidaten unter seinen Lehrerkollegen angefertigt haben. Alle Angeklagten hielten sich selbst für unschuldig.
Der erste Ruanda-Prozess vor einem europäischen Schwurgericht läuft seit rund acht Wochen. Die Angeklagten leben in Belgien. Der Prozess ist der erste in Belgien auf der Grundlage eines Gesetzes von 1993, das eine Zuständigkeit belgischer Gerichte für Verletzungen internationalen Rechts festlegt, und gilt als Meilenstein der internationalen Rechtsgeschichte. Die Brüsseler Richter hatten 200 Zeugen geladen.