Mazedonien Das Ende der Waffenruhe
Skopje - Am Freitagmorgen griffen Sicherheitskräfte mit Kampfhubschraubern und Panzern die Albaner-Hochburg Aracinovo an. Die Freischärler der albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) drohten mit Vergeltungsschlägen gegen die Hauptstadt Skopje. Damit scheint eine Verhandlungslösung zwischen den Volksgruppen in die Ferne zu rücken.
EU-"Chefdiplomat" Javier Solana soll noch in der Nacht zum Samstag aus dem Nahen Osten wieder nach Skopje fliegen, um dort an Verhandlungen zwischen den Volksgruppen teilzunehmen, berichteten EU-Diplomaten in Brüssel. Der Sprecher von EU-Außenkommissar Chris Patten sagte: "Wir sind zuversichtlich, dass eine politische Lösung gefunden wird." Dann sei eine Aufstockung der EU-Finanzhilfe nicht ausgeschlossen. Die Nato hatte am Mittwoch einem begrenzten Einsatz zum Einsammeln von Rebellen-Waffen grundsätzlich zugestimmt, diesen aber von einem Ende der Feindseligkeiten abhängig gemacht.
Einen Tag nach wiederholten Angriffen der Albaner-Rebellen eröffneten Regierungstruppen am Morgen gegen vier Uhr eine neue Offensive gegen die aufständischen Albaner. Detonationen waren bis in die Hauptstadt zu hören. Armeesprecher Blagoja Markovski sagte, extremistische Gruppen sollten aus Aracinovo vertrieben und Bedingungen für die Rückkehr von Zivilisten geschaffen werden. Am Morgen brannten Häuser in dem Kampfgebiet. Die Armee fuhr mit Panzern auf. Die Ortschaft Aracinovo, die fast ausschließlich von Albanern bewohnt wird, ist von Rebellen besetzt.
Die neuen Gefechte forderten erste Opfer. Die Albaner-Rebellen berichteten, bei den Angriffen seien drei Menschen getötet und zehn weitere verletzt worden. Die mazedonische Armee erklärte, drei Soldaten und zwei Polizisten seien verletzt worden.
Ein Rebellenkommandant mit dem Decknamen "Hoxha" forderte ein Ende der Angriffe. "Wenn sie nicht die Attacken gegen Aracinovo stoppen, werden wir die Hauptstadt angreifen. Wir beginnen mit Polizei- und Militärgebäuden im Zentrum, dann weiter zum Flughafen und anderen wichtigen Objekten", sagte "Hoxha" der Deutschen Presse-Agentur. Nach Berichten aus Armeekreisen haben die Rebellen bereits mehrere Mörsergranaten auf mindestens ein benachbartes Dorf von Aracinovo abgefeuert.
Die USA unterstützen nach Worten von Nato-Generalsekretär George Robertson die Grundsatzentscheidung der Allianz für eine Entwaffnungstruppe in Mazedonien sehr. In einem CNN-Interview sagte Robertson, die Frage der Entsendung von Truppen stehe jedoch noch nicht auf der Tagesordnung. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe klargemacht, dass eine Entscheidung über eine Teilnahme von US-Soldaten von Präsident George Bush getroffen werden müsse.