Mazedonien-Konflikt Neue Großoffensive gegen Rebellen
Vaksince - Die diplomatischen Bemühungen zur Bildung einer großen Koalition der nationalen Einheit laufen unterdessen weiter. Ministerpräsident Ljubco Georgievski sagte am Dienstag, die Parteien des Landes seien sich so gut wie einig. Er sei optimistisch, was die Bildung einer großen Koalition gegen die Gewalt angehe. Nach Angaben einer Sprecherin von Präsident Boris Trajkovski sollen die Verhandlungen im Laufe des Tages forgesetzt werden. An den Gesprächen nimmt auch der EU-Beauftragte Javier Solana teil.
Unter dem wachsenden ausländischen Druck hatte die mazedonische Regierung am Montag davon abgesehen, im Parlament einen Antrag auf Ausrufung des Kriegsrechts einzubringen. Westliche Politiker befürchten, dass ein solcher Schritt den Rebellen, die für mehr Rechte der albanischen Minderheit kämpfen, aus der Bevölkerung weiteren Zulauf bringt.
Drohung der Rebellen
Obwohl die Rebellen das Feuer in Vaksince offenbar nicht erwiderten, erklärte ein Rebellenführer, der sich als Hauptmann Hoxha ausgab, man habe sich nicht zurückgezogen, wie es die Regierung behauptet habe. Er erneuerte die Forderung nach Gesprächen mit der Regierung, die sich seiner Ansicht nach wegen der breiten Unterstützung der Rebellen in einer tiefen Krise befindet. Ein Sprecher der Rebellen, ein Freischärlerführer mit dem Decknamen "Sokoli", erklärte, ohne einen Dialog mit der UCK werde es keinen Frieden geben. Die Rebellen warnten vor weiterem Blutvergießen.
Uno-Generalsekretär Kofi Annan hatte am Montag die Sorge geäußert, die neuen Kämpfe zwischen mazedonischen Regierungstruppen und albanischen Separatisten könnten zu einem ernsten Konflikt mit verheerenden Folgen für den gesamten Balkan eskalieren. Annan bekräftigte seinen Aufruf zu einer sofortigen Feuerpause und zu einem politischen Dialog.
Mehr als 6000 auf der Flucht
Seit Anfang Mai sind bereits etwa 6600 Menschen vor den wieder aufgeflammten Kämpfen in Mazedonien ins Kosovo geflohen. Sie hätten Angst vor einer Ausweitung des bewaffneten Konfliktes mit den albanischen Rebellen, erklärte der Sprecher der Uno- Flüchtlingsorganisation (UNHCR), Kris Janowski, am Dienstag in Genf.
An diesem Montag hätten allein rund 3000 Menschen die Grenzen zum Kosovo passiert. Dabei handele es sich überwiegend um Frauen, Kinder und ältere Männer, die nach eigenen Angaben aus Dörfern rund um die Stadt Kumanovo kommen.
Das UNHCR sehe die neuen Gewaltwellen mit großer Sorge. "Wenn die Gewalt erst einmal außer Kontrolle gerät und die Menschen aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, ist es außerordentlich schwierig, wieder die Bedingungen für ihre sichere Rückkehr zu schaffen", sagte Janowski.