Mazedonien Waffenruhe hält
Skopje - Mazedonische Armeequellen in Skopje bezeichnen die Waffenpause dennoch als "zerbrechlich", da die albanischen Rebellen weiterhin in ihren Stellungen im Norden und Nordwesten des Landes seien. Vor allem in der im Nordwesten gelegenen Stadt Tetovo war die Lage angespannt, weil dort mehrere hundert mazedonische Bauern Zuflucht gesucht haben. Die Rebellen hätten sie am Donnerstag aus ihren Dörfern vertrieben und dort neue Stellungen aufgebaut, heißt es.
Unterdessen begannen in der Hauptstadt Skopje die Konfliktparteien mit ihren Verhandlungen über eine Verfassungsreform. An den Gesprächen nahmen auch die Sonderbeauftragten der EU und der USA, Francois Leotard und James Pardew, teil. Sie legten den Parteien einen Entwurf für die Verfassungsänderungen vor, die der albanischen Minderheit mehr Rechte einräumen soll.
Die wichtigste Forderung der albanischen Parteien ist eine volle Gleichberechtigung ihrer Volksgruppe. Im Entwurf sind Berichten zufolge größere Machtbefugnisse für Gemeindeverwaltungen enthalten, ferner der Gebrauch der albanischen Sprache in solchen Gemeinden, wo die Albaner die Mehrheit stellen. Auch soll Albanisch im Parlament und in staatlichen Institutionen verwendet werden können, ohne aber diese Sprache als zweite Staatssprache anzuerkennen.
Die Albaner verlangen zudem eine eigene Kommunalpolizei, was Skopje jedoch ablehnt. Paul Williams, Berater von Arben Xaferi, Chef der einflussreichen Demokratischen Partei der Albaner (DPA), schlug im TV-Kanal A 1 in Skopje die Einrichtung von Kantonen vor, wie es in Bosnien-Herzegowina der Fall ist.
Nato-Einsatz im August
Nato-Soldaten werden wahrscheinlich erst im August in Mazedonien mit der Entwaffnung der albanischen Rebellen beginnen können. Das sagte am Freitagabend der Nato-Botschafter in Mazedonien, der deutsche Diplomat Hans-Jörg Eiff, dem Fernsehsender TV-Elma in Skopje. "Wenn alles gut läuft, dann könnten die Nato-Soldaten Ende Juli eintreffen, aber die Entwaffnung könnte erst im August beginnen."
Allerdings müssten zuvor zwei Bedingungen erfüllt werden: ein fortdauernder Waffenstillstand und Fortschritt des Dialogs der mazedonischen und albanischen politischen Führer über eine friedliche Lösung der Krise. Eiff sagte, es sei nicht sehr sicher, dass die Rebellen den derzeitigen Waffenstillstand einhalten werden.