Melania Trump: Wie Jarrett Hill das Michelle Obama Plagiat aufdeckte - DER SPIEGEL
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Melania Trump Wie Jarrett Hill die Schummelei aufdeckte

Melania Trump kupferte Teile ihrer Rede bei Michelle Obama ab. Losgetreten wurde die Affäre von einem Ex-Journalisten, der in Los Angeles in einem Café saß.
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Melania Trump ist abgetaucht. Seit sie am Montagabend auf dem Parteitag in Cleveland eine große Rede auf ihren Ehemann hielt, ist von der potenziellen First Lady nichts mehr zu hören oder zu sehen. Stattdessen quält sich die Kampagne des Milliardärs damit, ihren Auftritt zu verteidigen. Weil einige Passagen ihrer Rede frappierend Teilen einer Rede ähnelten, die Michelle Obama im Jahr 2008 hielt, steht sie im Verdacht, bei der Ehefrau des Präsidenten abgekupfert zu haben. Ein Debakel.

Dass dies überhaupt aufflog, ist nicht einem professionellen Faktencheck-Team zu verdanken oder findigen Beratern von Hillary Clinton. Der Mann, der die Schummelei aufdeckte, befand sich zum Zeitpunkt von Melania Trumps Rede ein paar Tausend Kilometer von Cleveland entfernt an der Westküste Amerikas - und trank einen Kaffee bei Starbucks.

Jarrett Hill, ein 31-jähriger Ex-Journalist und Innendesigner, verfolgte den Auftritt von Trumps Ehefrau im Internet, als er plötzlich einen Halbsatz hörte, der ihm sehr bekannt vorkam. Kinder in Amerika sollten wissen, so das Ex-Model, dass "die einzige Grenze unserer Leistungen die Kraft unserer Träume ist" - "und die Bereitschaft, für sie zu arbeiten", vervollständigte Hill den Satz innerlich.

"Es war wie bei diesen Filmen, bei denen man einzelne Zitate so gut kennt, dass man sie ausspricht, noch bevor der Schauspieler sie sagt", so der Wahlkalifornier. Hill, der gelegentlich Beiträge für die "Huffington Post" schreibt, wusste: Er hatte den Satz in einer Parteitagsrede Michelle Obamas gehört.

Er suchte sich im Internet das Manuskript von 2008 heraus, schaute nach dem Wort "Bereitschaft" und stieß rasch auf den entsprechenden Satz. Er fand Melanias Auftritt bei YouTube und hörte sich auch bei ihr den Satz noch einmal an. "Dann hab ich gemerkt: Da sind ja noch mehr Worte gleich. Und noch mehr Worte. Boah, ein ganzer Absatz!", erinnerte sich Hill in einem Gespräch mit einem lokalen TV-Sender in Los Angeles an seine Café-Recherche. Er twitterte die Ähnlichkeiten, indem er die Absätze aus beiden Reden einfach gegenüberstellte. Seine Recherche verbreitete sich viral.

Hill packte seine Sachen und machte sich auf den Heimweg. Als er zu Hause ankam, schaltete er den Fernseher an - und der Plagiatsverdacht war Thema bei praktisch allen Nachrichtensendern. "Die Geschichte explodierte vor meinen Augen", so Hill. "Da wusste ich: Das ist eine Riesensache."

Tatsächlich ist die Schummelei ein echtes Ärgernis für Trumps Kampagne geworden, passt sie doch gut zu dem Eindruck vieler Amerikaner, Trump sei ein Blender und Heuchler. Nach außen versuchen die Vertrauten des Milliardärs, die Geschichte kleinzureden, personelle Konsequenzen im Redenschreiber-Team soll es nicht geben. Michelle Obama habe nicht die englische Sprache erfunden, stichelt Trumps Sprecherin. Bei den fraglichen Sätzen in Melanias Rede habe es sich um Formulierungen gehandelt, die viele Amerikaner im Alltag verwenden würden.

Doch in der Partei ist man sich der Sensibilität sehr wohl bewusst: Er hätte an Trumps Stelle den Redenschreiber gefeuert, sagt Parteichef Reince Priebus.

Hill freut sich über seinen Coup. Auch beruflich hat er jetzt eine neue Perspektive. Bis vor ein paar Jahren hatte er eine Stelle für einen lokalen Fernsehsender in Florida. Inzwischen haben sich angeblich einige Medienanstalten bei ihm gemeldet. "Ich schaue mir die Angebote jetzt mal an", sagt Hill.