Militäreinsatz in Libyen Nato attackiert Gaddafis Kommandozentralen
Französischer Kampfjet: Neue Nato-Strategie nimmt Gaddafis Verstecke ins Visier
Foto: ALEXANDER KLEIN/ AFPWashington - Die Nato passt ihre Libyen-Strategie an: Das Bündnis will nach einem Bericht der "New York Times" die Luftangriffe auf Ziele in Libyen intensivieren. Wie die Zeitung unter Berufung auf Mitarbeiter der Regierung von US-Präsident Barack Obama und Nato-Beamte schreibt, sollen bei der Offensive vor allem Paläste, Hauptquartiere und Kommandozentralen ins Visier genommen werden - also Schaltstellen, die Diktator Muammar al-Gaddafi benutze, um sich weiter an die Macht klammern zu können.
Beamte des Weißen Hauses sagten der Zeitung zufolge, Obama sei über die neue Strategie informiert worden. Dazu habe bereits der Angriff auf den Komplex in der Hauptstadt Tripolis gehört, in dem Gaddafi residiert. Nato-Bomben hatten am Montag ein Militärgebäude Gaddafis in Tripolis getroffen und teilweise schwer beschädigt. Ein libyscher Regierungssprecher wertete die Bombardierung als gescheitertes Attentat auf Gaddafi. US-Verteidigungsminister Robert Gates betonte, militärische Kommandozentralen Libyens seien "legitime Ziele" von Luftangriffen. Der Luftschlag in Tripolis habe aber nicht zum Ziel gehabt, Gaddafi zu töten.
Der Internationale Militäreinsatz in Libyen zieht sich in die Länge - vor knapp sechs Wochen flogen Kampfjets die ersten Einsätze gegen das Regime in Tripolis. Die von der Allianz ausgeführten Bombardierungen hatten sich zu Beginn der Mission vor allem auf die Luftabwehr Gaddafis konzentriert, dessen Versorgungslager und manövrierende Bodentruppen. Die Erweiterung der Bombardements begründen die Regierungsvertreter laut "New York Times" nun gewohnt diplomatisch: Es gelte, die Möglichkeiten des Gaddafi-Regimes zu vermindern, Zivilisten Schaden zuzufügen. Die Militärschläge würden generell auf Kommandozentralen und die Logistikkette für Militäroperationen ausgeweitet.
Rebellen: Gaddafis Truppen verminen Leichen
Die Gaddafi-Truppen bereiten sich nach Einschätzung der Rebellen unterdessen auf eine neue Offensive im Osten vor. Die Internetzeitung Brnieq meldete am Mittwoch, in der Ortschaft Brega seien inzwischen 2000 und 3000 Soldaten stationiert worden. Diese hätten Raketen und andere schwere Waffen in Tunneln versteckt, um sie vor möglichen Luftangriffen durch die Nato zu schützen. An der Front, die schon seit Wochen zwischen Brega und Adschdabija liegt, hätten sie Minen an Leichen angebracht.
Um die seit zwei Monaten von Truppen Gaddafis belagerte Stadt Misurata wird weiter heftig gekämpft. Auch der zur Versorgung der Küstenstadt dringend benötigte Hafen wurde am Dienstag von Gaddafis Soldaten mit Raketen und Granaten unter Beschuss genommen. Nach Angaben der Aufständischen wurden die Regierungstruppen kurz darauf von Nato-Flugzeugen attackiert.
Lebensmittel in Tripolis knapp
In den Außenbezirken Misuratas lieferten sich Rebellen und Gaddafi-Getreue vereinzelt Gefechte. Auch in weiteren westlibyschen Städten gingen Regierungstruppen gegen Aufständische vor. Wie die staatliche libysche Nachrichtenagentur Jana berichtete, zerstörten Nato-Kriegsschiffe ein wichtiges Telefonkabel, das mehrere Küstenstädte verbindet. Anschließend seien die Telefonverbindungen zwischen Sirt, Ras Lanuf und Brega unterbrochen gewesen.
Nach wie vor komme es zu Übergriffen auf die Zivilbevölkerung, sagte der Kommandeur des Nato-Einsatzes, General Charles Bouchard. "Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht sehe, wie Gaddafis Truppen mit Gewalt gegen Männer, Frauen und Kinder vorgehen." Es gebe aber zunehmend Erfolge. "Die Zahl der zivilen Opfer wäre weitaus höher, wenn die Nato nicht in Libyen wäre", sagte Bouchard. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, die Vereinten Nationen würden weiter mit Hochdruck am Zustandekommen einer Waffenruhe und an einer diplomatischen Lösung arbeiten. Am Freitag werde sein Sondergesandter erneut in die Rebellenhochburg Bengasi reisen.
Zugunsten der Rebellen hat die Regierung Obama jetzt die Ölsanktionen gegen Libyen gelockert. Eine neue Anordnung ermöglicht den Aufständischen den Verkauf von Öl, das sie kontrollieren, um mit den Einnahmen Waffen und andere Güter zu kaufen. Nach der Regelung können auch US-Firmen Öl- und Erdgasgeschäfte abschließen, wenn der oppositionelle Übergangsrat in Libyen von den Ölexporten profitiert. Die USA hatten im Februar Sanktionen gegen libysche Ölfirmen verhängt und die Vermögen von Gaddafi, dessen Familie und ranghoher Regierungsbeamter eingefroren.
In der libyschen Hauptstadt Tripolis verschlechtert sich die Versorgungslage zusehends. Ein Bewohner erklärte am Dienstag, Benzin und bestimmte Nahrungsmittel würden knapp. Die Lebensmittelpreise seien in den vergangenen Tagen stark gestiegen.