Millenniums-Gipfel: "Hier wird Geschichte gemacht" - DER SPIEGEL
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Millenniums-Gipfel "Hier wird Geschichte gemacht"

Die Erwartungen an den bevorstehenden Mammut-Gipfel der Uno sind immens. "Hier wird Geschichte gemacht", verkündet Sänger Harry Belafonte in einem TV-Spot. Doch ob die hoch gesteckten Ziele zur Lösung der Welt-Probleme erreichbar sind, ist umstritten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Der Uno-Millenniums-Gipfel  in New York wird nach Angaben der Vereinten Nationen zum wahrscheinlich größten Treffen politischer Führungspersönlichkeiten aller Zeiten. 150 Staats- und Regierungschefs wollen sich vom 6. bis zum 8. September mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts in allen wichtigen Politikbereichen befassen. Uno-Generalsekretär Kofi Annan hat folgende Zielsetzungen für die kommenden Jahrzehnte vorgegeben:

Armutsbekämpfung: Die extreme Armut auf der Welt soll bis 2015 halbiert werden.


Verbesserung der Bildungschancen: Alle Kinder sollen bis zum Jahr 2015 die Möglichkeit haben, eine grundlegende Schulausbildung zu absolvieren.


Aids-Bekämpfung: Die HIV-Infektionsrate von Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren soll bis 2010 um 25 Prozent gesenkt werden.


Stadtentwicklung: In den nächsten 20 Jahren sollen die Lebensbedingungen von 100 Millionen Menschen, die in Slums leben, deutlich verbessert werden.


Handel: Die Industrieländer sollen Produkten aus armen Ländern freien Marktzutritt gewähren.


Schuldenerlass: Für stark verschuldete Entwicklungsländer, die sich sichtbar für die Armutsbekämpfung einsetzen, soll ein Schuldenerlass geprüft werden.


Zur Sicherheitspolitik legte eine Uno-Expertenkommission am 23. August ein Gutachten vor, das ebenfalls beim Gipfel diskutiert werden soll. In dem Papier wird die Bildung eines ständigen Gremiums für den Einsatz der Blauhelm-Truppen am Uno-Hauptquartier und die Etablierung eines Systems von schnell verfügbaren Einsatzkräften für Kriseneinsätze empfohlen.

Nach den Vorstellungen Annans soll der Gipfel eine "Botschaft der Hoffnung" sein. "Ich wünsche mir von den Staatsmännern, dass sie sich auf konkrete Ziele einigen und Themen festlegen, denen wir uns mit vereinten Kräften widmen wollen, um sie in den nächsten 15 oder 20 Jahren zu lösen", sagte er.

Ob der New Yorker Gipfel, bei dem jeder Staats- oder Regierungschef eine fünfminütige Rede halten und an einer etwa dreistündigen Diskussion teilnehmen darf, einen Ansatz für die komplexen Probleme findet, ist fraglich. Einige Diplomaten äußerten bereits die Befürchtung, es werde zu Millionen Worten kommen, aber nur zu wenigen Taten.

Von dieser Kritik hält Annans Stellvertreterin Louise Fréchette nichts: "Es ist leicht, solche Treffen zynisch abzutun und zu sagen: 'Ach, sie bringen ja sowieso nichts.' Aber viele dieser Zusammenkünfte haben wirklich etwas gebracht, indem sie die politische Energie gebündelt und den politischen Willen gestärkt haben."