Milosevic im Gefängnis Richter ordnet Untersuchungshaft an
Den Haag/Belgrad - Die Festnahme des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic ist indes international auf große Zustimmung gestoßen. Zugleich wurde seine Auslieferung an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gefordert.
US-Präsident George W. Bush begrüßte am Sonntag die Verhaftung von Milosevic und bezeichnete sie als einen ersten Schritt. Er rief die neue jugoslawische Führung dazu auf, den als Kriegsverbrecher angeklagten Ex-Diktator an das Haager Tribunal zu überstellen: "Wir können und dürfen nicht den Schrecken erregenden Anblick von Angst erfüllten Frauen und Kindern in Zügen, ausgemergelten Gefangenen hinter Stacheldraht und den von UN-Ermittlern entdeckten Massengräbern vergessen."
In Den Haag Dort ist Milosevic seit dem 24. Mai 1999 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstößen gegen das Kriegsvölkerrecht im Kosovokonflikt angeklagt.
Chefanklägerin Carla del Ponte wertete die Festnahme Milosevics als "positives Zeichen". Sie sehe die Aktion als wichtigen Schritt der serbischen und jugoslawischen Behörden an, sagte ihre Sprecherin in Den Haag. Sie forderte Jugoslawien auf, möglichst rasch die rechtlichen Voraussetzungen für eine Auslieferung von Milosevic zu schaffen. Die serbische Verfassung verbietet bislang die Auslieferung serbischer Staatsbürger an andere Staaten. Der serbische Innenminister Vladan Batic lehnte eine Auslieferung ab.
Ein NATO-Sprecher sagte in Brüssel: "Wir erwarten, dass die Festnahme der erste Schritt ist auf einem möglichen Weg nach Den Haag, um auf die Anklage wegen Kriegsverbrechen zu antworten." EU und NATO werteten die Festnahme zugleich als wichtigen Beitrag für die Stabilität auf dem Balkan. Auch Bundesaußenminister Joschka Fischer, Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und der britische Außenminister Robin Cook begrüßten die Entwicklung in Belgrad.