Moskauer Geiseldrama: Dänische Polizei nimmt tschetschenischen Politiker fest - DER SPIEGEL
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Moskauer Geiseldrama Dänische Polizei nimmt tschetschenischen Politiker fest

Die dänische Polizei hat in Kopenhagen den führenden tschetschenischen Politiker Achmed Sakajew festgenommen. Er soll laut der russischen Regierung in das Moskauer Geiseldrama verwickelt sein. Die Beweise sind jedoch dürftig.
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Kopenhagen - Mit der Festnahme entsprachen die dänischen Behörden einem Wunsch aus Moskau. Wie Polizeichefin Hanne Bech Hansen mitteilte, werfen die russischen Behörden Achmed Sakajew die Mitwirkung an der Geiselnahme in dem Moskauer Musicaltheater vor, bei der weit mehr als 100 Menschen umkamen. Deshalb habe sich Moskau über Interpol an die dänische Regierung gewandt und Sakajews Auslieferung gefordert. Schon in der Bitte um Auslieferung garantierten die russischen Behörden, dass Sakajew nicht die Todesstrafe drohe.

Der Hintergrund der russischen Vorwürfe sind aus Regierungssicht trotzdem schwerwiegend und simpel: Achmed Sakajew gilt als persönlicher Repräsentant des im Untergrund lebenden Präsidenten der umkämpften russischen Teilrepublik Tschetschenien, Aslan Maschadow. Moskau hingegen akzeptiert den von der Bevölkerung frei gewählten Maschadow nicht, da die Regierung von Wladimir Putin Tschetschenien als russisches Territorium sieht, das folglich von Putin regiert wird.

Die russischen Behörden hatten Dänemark mitgeteilt, dass Sakajew einer "Serie von Terrorangriffen" 1996 bis 1999 sowie der Beteiligung an der Planung der Geiselnahme in Moskau in der vergangenen Woche verdächtigt werde. Sakajew sollte am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden. Ob Dänemark den Verdächtigen tatsächlich an Russland ausliefert, ist unklar.

Schon kurz nach Beginn der Geiselnahme in der Hauptstadt hatte die Putin-Regierung Maschadow für die Aktion der Rebellen verantwortlich gemacht, da er angeblich enge Kontakte zu dem Anführer des Rebellen-Kommandos unterhalte. Als Beweis präsentierte der russische Geheimdienst FSB anschließend eine Videoaufnahme, die Maschahdow in einer Runde mit dem mutmaßlichen Anführer der Moskauer Geiselnehmer, Mowsar Basajew, zeigt. Die Beweiskraft des Videos wird zwar von Tschetschenien-Kennern angezweifelt, trotzdem hatte Maschadow in der Tat in den letzten Monaten wieder stärker die Nähe der islamisch geprägten Rebellen gesucht.

"Tschetschenen sollten nicht zu Helden werden"

Der nun festgenommene Sakajew hatte in den letzten Tagen am "Tschetschenischen Weltkongress" in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen teilgenommen. Dort warf er Russlands Regierungschef Wladimir Putin vor, die Erstürmung des Musicaltheaters befohlen zu haben, obwohl die Geiselnehmer in der Nacht zuvor die Freilassung aller Geiseln zugesagt hätten. Die Behörden hätten daraufhin die Erstürmung des Musicaltheaters angeordnet, damit "die Tschetschenen nicht zu Helden werden konnten", so Sakajew. Der Politiker verurteilte die Geiselnahme schon am Wochenende - auch im Namen seines Chefs, dem Präsidenten Maschadow. Freilich sagte er aber auch, dass Russland durch die jahrelange Besetzung Tschetscheniens die Schuld an einer solche Aktion trage.

Den Polizeiangaben zufolge will Moskau Sakajews Auslieferung wegen der Geiselaktion und anderer "terroristischer Aktionen" erreichen. Sein Namen stand auf einer am Dienstag aus Moskau übermittelten Liste des russischen Außenministeriums mit mutmaßlichen Terroristen. Wer noch auf dieser Liste steht, wurde nicht bekannt.

Die russische Regierung hatte schon vor Tagen ein Verbot des Kongresses über die Zukunft Tschetscheniens verlangt. Als die dänische Regierung dem nicht nachkam, sagte Russland aus Verärgerung darüber einen Besuch von Präsident Wladimir Putin im November ab. Die dänische EU-Ratspräsidentschaft verlegte ein EU-Gipfeltreffen mit Putin von Kopenhagen nach Brüssel.