Nach Luftangriff Nachbarn warnen Israel
Beirut/Jerusalem/Berlin - Der Überraschungsangriff der Israelis auf eine syrische Radarstation in der Nacht zum Montag ist international verurteilt worden. Vor allem die arabischen Staaten, aber auch Deutschland und Frankreich warnten vor einer Eskalation der Gewalt. Außenminister Joschka Fischer sagte in Berlin: "Die Bundesregierung appelliert dringend an alle Beteiligten, von weiteren militärischen Aktionen abzusehen."
Syrien nannte den Raketenangriff auf den Militärposten im ostlibanesischen Bekaa-Tal in einer offiziellen Erklärung eine "gefährliche Eskalation, die die Region destabilisieren kann". Syrien bewahre sich das Recht auf Selbstverteidigung. Auch der libanesische Präsident Emile Lahoud warnte vor einer größeren Konfrontation.
Der ägyptische Außenminister Amre Mussa verurteilte das Bombardement scharf als "Angriff auf einen souveränen Staat" und gelobte "volle Solidarität mit dem libanesischen Volk angesichts dieser Aggression". Die palästinensische Autonomiebehörde schrieb in einer offiziellen Stellungnahme, die israelische Regierung verschärfe "die explosive Lage in der Region bis an den Rand eines Krieges."
Erste Attacke gegen syrische Truppen seit 1996
Vier israelische Kampfflugzeuge hatten während des rund 20-minütigen Angriffs mehrere Raketen auf die Radarstation rund 35 Kilometer östlich von Beirut, abgefeuert. Dabei wurden laut libanesischen Angaben drei syrische Soldaten getötet und sechs verletzt. Die Syrer selbst sprachen von einem getöteten Soldaten und vier Verletzten. Die Station wurde direkt getroffen und zerstört. Es war die erste israelische Attacke gegen syrische Truppen im Libanon seit 1996.
Nach Angaben von Augenzeugen beschossen die syrischen Soldaten die angreifenden Jets mit Flugabwehrkanonen. Das so genannte Sicherheitskabinett, der engere Ministerkreis um Regierungschef Ariel Scharon, hatte den Angriff am späten Sonntagabend mit einer großen Mehrheit von elf Ministern gebilligt.
Israel: "Die Spielregeln haben sich geändert"
Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser sagte am Montag, es handele sich um Vergeltung für einen Angriff der Hisbollah auf einen israelischen Panzer im Grenzgebiet, bei dem am Samstag ein israelischer Soldat getötet worden war. Man wolle Syrien klarmachen, dass jeder Angriff auf israelisches Gebiet seinen Preis habe. "Die Spielregeln haben sich geändert", sagte der Minister.
Auch Raanan Gissin, ein ranghoher Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, sprach von einer "neuen Preisliste" für Angriffe auf israelisches Gebiet. Auch am Montag überflogen israelische Kampfjets mehrfach libanesisches Territorium. Die syrischen Truppen wurden in Alarmbereitschaft versetzt.
Israel macht Syrien, das rund 30.000 Soldaten in Libanon stationiert hält, für Übergriffe der Hisbollah-Milizen auf Israel mitverantwortlich. Seit dem Abzug der israelischen Truppen aus Süd-Libanon im vergangenen Mai sind bei Angriffen an der Nord-Grenze drei Soldaten ums Leben gekommen. Im vergangenen Oktober hatte die Hisbollah zudem drei israelische Soldaten entführt, die seitdem in Libanon festgehalten werden. Hisbollah setzt den Kampf gegen Israel trotz des international als abgeschlossen anerkannten Truppenabzugs mit der Begründung fort, Israel müsse auch noch die 1967 besetzten Schebaa-Farmen im Dreiländereck Syrien-Israel-Libanon räumen. Israel besteht jedoch darauf, es handele sich um ehemals syrisches Gebiet, dessen künftiger Status im Rahmen einer Friedensvereinbarung mit Syrien geklärt werden müsse.