Nachkriegs-Irak Aufbau wird deutlich teurer
Washington - In der Studie des US-Kongresses, die gestern veröffentlicht wurde, heißt es, falls der Irak keinen Erlass bei seinen Auslandsschulden erhalte, die auf bis zu 120 Milliarden Dollar geschätzt werden, und die Ölproduktion weiter nicht in Fahrt komme, werde das Land nicht genügend Geld für den Wiederaufbau oder auch nur für die alltäglichen Regierungsarbeiten haben. In diesem Fall werde der Irak in den nächsten Jahren zusätzliche Hilfen in Milliardenhöhe benötigen.
Tote bei Hubschrauberabsturz und Bombenattentat
Beim Absturz eines Hubschraubers der US-Armee kamen gestern im Nordirak die beiden Piloten ums Leben gekommen. Wie ein Sprecher des Zentralkommandos der US-Truppen in Bagdad mitteilte, stürzte der Helikopter am Abend westlich der Stadt Kajjarah ab. Die Absturzursache sei noch unklar. "Nach ersten Berichten von der Besatzung eines zweiten Hubschraubers hat es keine feindlichen Aktivitäten gegeben", sagte der Sprecher. Über den Einsatz der beiden Hubschrauber machte er keine Angaben.
Bei der Explosion einer Autobombe wurden am Morgen in der irakischen Stadt Samarra drei Menschen getötet und vier verletzt. Der Sprengkörper sei vor einem Gerichtsgebäude in einem Lastwagen explodiert, meldete der arabische Fernsehsender al-Dschasira unter Berufung auf den Gouverneur. Samarra liegt etwa 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad. Einzelheiten des Vorfalls waren zunächst nicht bekannt.
US-Waffeninspektor glaubt nicht an Massenvernichtungswaffen
Schwere Vorwürfe muss sich die US-Regierung jetzt von einem Waffeninspektor aus dem eigenen Land anhören. Der Irak verfügte dem ehemaligen Chef der US-Waffeninspektoren David Kay nicht über Massenvernichtungswaffen. "Ich glaube nicht, dass sie existiert haben", sagte Kay kurz nach seinem Rücktritt gestern der Nachrichtenagentur Reuters.
US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair begründen nach wie vor den Einmarsch in den Irak mit dem Streben des irakischen Präsidenten Saddam Hussein nach atomaren, biologischen und chemischen Waffen. Beide Regierungen betonten am Freitag, dass sie an ihrer Position festhielten.
"Alle haben über Bestände gesprochen, die nach dem letzten Golf-Krieg (1991) produziert wurden, und ich denke nicht, dass es in den neunzigern ein großes Produktions-Programm gab", sagte Kay über biologische und chemische Waffen im Irak. Die irakische Regierung habe zwar weiterhin ein rudimentäres Programm zum Bau von Atomwaffen unterhalten. "Wirklich stillgelegt war es nicht, denn es wurden ein paar kleinere Dinge gemacht", sagte er. "Aber nennenswerte Anstrengungen wurden nicht wieder unternommen."
Zwar werde es vermutlich noch weitere Entdeckungen geben, sagte Kay. Jedoch haben man inzwischen einen fast vollständigen Überblick über das Waffenprogramm des Irak gewonnen. "Ich denke, wir haben wahrscheinlich 85 Prozent von dem gefunden, was wir finden werden." Nach der Machtübergabe an die Iraker im Juni werde die weitere Arbeit ohnehin faktisch unmöglich. "Es wurde jetzt schon schwierig", sagte Kay. So habe ein wichtiges Ministerium die Befragung seiner Mitarbeiter nur noch im Beisein von offiziellen Vertretern zugelassen. "Es war wie unter dem alten Regime."
Kay sagte, die Gründe für seinen Rücktritt seien vielfältig. Die ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen seien reduziert und die Aufgabenstellung seiner Inspektoren-Gruppe ISG verändert worden. "Ich hatte am Anfang zur Bedingung gemacht, dass sich die ISG ausschließlich auf die Suche nach Massenvernichtungswaffen konzentriert", sagte er. Dies sei nicht mehr der Fall. Stattdessen seien einige Analysten angewiesen worden, sich mit den Aufständischen zu befassen, die fast täglich Anschläge im Irak verüben.
Kay hatte im Juni die Leitung der US-Suche nach Waffen im Irak übernommen und kehrte im Dezember in die USA zurück. Er kündigte an, in die Privatwirtschaft gehen zu wollen. Der Chef des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, dankte Kay für seine "außergewöhnliche Arbeit unter gefährlichen und schwierigen Bedingungen".