Nadschaf Powell will Sadr-Milizen "ausquetschen"
Washington - Powell bezeichnete den schiitischen Rebellenführer Muktada al Sadr und seine Gefolgsleute am Freitag als "Gesetzlose". Die US-Streitkräfte hätten begonnen, Nadschaf "auszuquetschen", um die Aufständischen dort außer Gefecht zu setzen. Auf einer Pressekonferenz sagte der Außenminister, er hoffe, der Prediger werde auf die Anschuldigungen, die die Regierung in Bagdad gegen ihn erhoben habe, reagieren. Iraks Innenminister al-Nakib hatte zuvor versprochen: "Wir werden Muktada al-Sadr nicht anrühren, wenn er den Schrein friedlich verlässt.
Powell sagte weiter: "Wir versuchen, die Situation in Nadschaf zu stabilisieren". Auf die Frage, warum die amerikanischen Streitkräfte ihre Waffen nicht für die Zeit der Olympischen Spiele ruhen ließen, sagte er: "Das ist eine noble Idee, aber die Welt bleibt während der Spiele nicht stehen."
Nachdem die irakische Übergangsregierung am Nachmittag erklärt hatte, man befinde sich in Verhandlungen über einen Abzug der Aufständischen, zeigte sich Sadr am Abend kompromisslos und forderte seine Anhänger zum erbitterten Widerstand bis zum Tod auf. "Ich werde diese heilige Stadt nicht verlassen", zitierte ein Sprecher den radikalen Prediger am Freitag. Seinen Anhängern habe al-Sadr in der Imam-Ali-Moschee zugerufen: "Wir werden hier bleiben, unsere heiligen Stätten verteidigen bis zum Sieg oder zum Märtyrertod." Die mit den USA zusammenarbeitende irakische Übergangsregierung nannte er diktatorisch und forderte deren Rücktritt. "Saddam Hussein wurde durch eine noch schlimmere Regierung ersetzt."
Polnische Soldaten von Aufständischen eingekesselt
Eine Gruppe von etwa 20 polnischen Soldaten ist am Freitagabend an einem Polizeiposten bei Hilla im Zentralirak von irakischen Kämpfern eingekreist und belagert worden. Ein Sprecher der multinationalen Truppe in der polnischen Besatzungszone im Irak sagte im polnischen Rundfunk, außer den Polen seien auch einige Dutzend irakischer Polizisten eingekesselt. Noch sei es nicht geschossen worden.
Bei den bewaffneten Irakern handelt es sich wahrscheinlich um Anhänger al-Sadrs. Es gebe Verhandlungen, sagte Artur Domanski, der Sprecher der multinationalen Streitkräfte unter polnischem Kommando. Zdzislaw Gnatowski, der Sprecher des polnischen Generalstabs, hoffte auf eine friedliche Lösung. "Die Situation ist unter Kontrolle. Es gab keine Schüsse, niemand wurde verletzt", sagte er.
Zu der Belagerung war es den Angaben zufolge gekommen, als die Polen nach einer "aggressiven" Demonstration den Polizeiposten verstärkten. Die Demonstranten sollen die irakischen Polizisten aufgerufen haben, ihnen die Polen auszuliefern.
UN-Gesandter Qazi in Bagdad eingetroffen
Derweil ist der neue UN-Sondergesandte für den Irak, der pakistanische Diplomat Ashraf Jehangir Qazi, in Bagdad eingetroffen. Gleich nach seiner Ankunft rief Qazi zur Beendigung der Gewalt in Nadschaf auf. Der Verlust von Menschenleben müsse auf jeden Fall verhindert werden, Internationales Recht und die Gesetze der Menschlichkeit müssten beachtet werden. Qazis Hauptaufgabe wird darin bestehen, bei den Vorbereitungen zur Wahl einer verfassungsmäßigen Regierung bis Ende 2005 mitzuhelfen. Dafür will er die am Sonntag beginnende irakische Nationalkonferenz besuchen, an der rund 1.000 Delegierte aus den 18 irakischen Provinzen teilnehmen werden. Sie wollen ein Interimsparlament aus 100 Mitgliedern bestimmen.
Der neue UN-Gesandte kam nur mit einem kleinen Team nach Bagdad. Seine Ankunft markiert die erste offizielle UN-Präsenz in Irak seit vergangenem Oktober. Die Vereinten Nationen hatten damals nach einer Serie von Anschlägen ihr Personal abgezogen. Bei dem verheerendsten Angriff am 19. August 2003 war auch Qazis Amtsvorgänger Sergio Vieira de Mello zusammen mit 21 weiteren Menschen getötet worden.