Naher Osten: Palästinenser übernehmen Tulkarem - DER SPIEGEL
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Naher Osten Palästinenser übernehmen Tulkarem

Wie vereinbart hat Israel die Kontrolle über Tulkarem den Palästinensern zurückgegeben. Nach dem Rückzug israelischer Soldaten errichteten palästinensische Polizisten eigene Straßensperren. Premier Scharon fürchtet wegen anderer Abzugspläne mittlerweile das Auseinanderbrechen seiner Partei.
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Tulkarem/Jerusalem - Auf die Einzelheiten der Übergabe hatten sich beide Seiten am Montagabend nach wochenlangen Verhandlungen geeinigt. Die Einwohner der Stadt im Westjordanland feierten daraufhin in den Straßen. Auch vermummte Bewaffnete feuerten in die Luft, ohne dass die palästinensische Polizei einschritt.

Tulkarem ist die zweite von fünf Städten im Westjordanland, deren Räumung der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon beim Gipfeltreffen mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas am 8. Februar zugesichert hatte. Am vergangenen Mittwoch gab Israel Jericho an die palästinensischen Sicherheitskräfte zurück. Folgen sollen noch Kalkilija, Ramallah und Bethlehem.

Scharon warnt den Likud

Unterdessen warnt Scharon im Streit über den geplanten Abzug aus dem Gaza-Streifen intern vor einem Auseinanderbrechen seiner Likud-Partei. Aus Regierungskreisen verlautete, Scharon habe Abgeordnete seiner Partei bei einem Treffen eindringlich vor dieser Gefahr gewarnt, sollten sie ihm bei der Abstimmung über den Haushalt die Gefolgschaft verweigern.

Das noch für diesen Monat geplante Parlamentsvotum wollen Gegner eines Gaza-Abzugs für eine Abrechnung mit den im Likud heftig umstrittenen Rückzugsplänen des Regierungschefs nutzen. Likud-Abgeordnete haben es abgelehnt, vier Gegner des Abzugsplans aus dem Finanzausschuss des Parlaments abzuziehen, in dem heute eine Abstimmung über den Haushaltsentwurf 2005 ansteht.

Scharon kann sich daher nicht sicher sein, dass der Ausschuss die Vorlage billigt und zur Beratung an das Parlament weiterleitet. Scharon steht beim Haushalt unter Zeitdruck: Falls der Etatentwurf den Finanzausschuss und das Parlament nicht bis zum 31. März passiert hat, wäre die Regierung gezwungen, Neuwahlen auszuschreiben.

Aus Regierungskreisen verlautete, Scharon habe die Likud-Abgeordneten vor einer Spaltung gewarnt und gesagt: "Ich sehe nicht, wie wir zusammen in die nächsten Wahlen gehen können, wenn ich den Abzug (aus Gaza) befürworte und Sie nicht." Wahlen stehen in Israel regulär erst Ende 2006 an, müssten bei einem Scheitern der Haushaltsvorlage aber bis Ende Juni abgehalten werden. Scharons Regierungskoalition verfügt im Parlament zwar über 67 der 120 Mandate. Doch kann sich der Regierungschef jedoch der Zustimmung von einem Dutzend Abweichlern nicht sicher sein, die den Gaza-Abzug ablehnen.

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