Nahost: Blutiger "Tag der Katastrophe" - DER SPIEGEL
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Nahost Blutiger "Tag der Katastrophe"

Die Palästinenser begehen heute den "Tag der Katastrophe" und gedenken damit dem Ausbruch des ersten israelisch-arabischen Krieges infolge der Staatsgründung Israels vor 53 Jahren. Bei Ausschreitungen wurden mindestens fünf Palästinenser getötet, fast 150 schwer verletzt.
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Gaza/Ramallah/Beirut/Scharm el Scheich - Im Gaza-Streifen und allen Großstädten des Westjordanlandes nahmen am Dienstag mehrere zehntausend Menschen an Demonstrationen teil, um am Jahrestag der israelischen Staatsgründung (15. Mai 1948) an die Flucht und die Vertreibung Hunderttausender von Palästinensern aus dem heutigen Israel zu erinnern. Der 15. Mai 1948 markiert auch den Ausbruch des ersten israelisch-arabischen Krieges, der bis Januar 1949 andauerte und in dessen Verlauf 900.000 Palästinenser die Flucht antraten. Noch heute leben viele in Flüchtlingslagern, vor allem im Libanon, wo Hunderte Palästinenser gegen Israel demonstrierten.

Pünktlich um 11 Uhr (MESZ) heulten in allen palästinensischen Städten drei Minuten lang die Sirenen. Die Menschen auf den Straßen verharrten schweigend im Gedenken an den Verlust ihrer Heimat.

Arafat fordert die Grenzen von 1967

In einer Fernsehansprache betonte Palästinenserpräsident Jassir Arafat, es könne keinen Frieden ohne einen vollständigen israelischen Rückzug auf die Grenzen von 1967 und die Anerkennung des Rechts auf Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge geben. Gewalt werde die Palästinenser nie zum Aufgeben zwingen. "Wir werden auf dem Weg zum Frieden weitergehen, bis wir unsere Freiheit erhalten."

Zehntausende von Palästinensern waren in den Städten im Westjordanland und im Gazastreifen schon am Morgen auf die Straßen gegangen, um gegen die fortdauernde israelische Besatzung und die eskalierende Gewalt der israelischen Armee zu protestieren. Die israelischen Streitkräfte in den Palästinensergebieten und die Polizei in Israel waren in höchster Alarmbereitschaft.

In der Stadt Gaza töteten israelische Soldaten am Morgen einen Leibwächter des Gründers der radikal-islamischen Hamas-Organisation, Scheich Achmed Jassin, mit einer Panzergranate. Bei Zusammenstößen in der Nähe des Eres-Kontrollpunktes wurde ein jugendlicher Palästinenser tödlich getroffen. Ein dritter Palästinenser wurde am Stadtrand von Ramallah von Soldaten erschossen.

Bei den Auseinandersetzungen wurde auch der Korrespondent des französischen Fernsehsenders TF-1 von einem israelischen Geschoss im Brustbereich getroffen. Da er eine kugelsichere Weste trug, blieb er jedoch weitgehend unverletzt.

Israelische Armee räumt mögliche Fehler ein

Der israelische Generalstabschef Schaul Mofas räumte am Dienstag ein, dass israelische Soldaten bei der Tötung von fünf palästinensischen Polizisten bei Ramallah am Vortag möglicherweise einen Fehler gemacht haben. Die Armee habe "dieses Ergebnis nicht beabsichtigt". Man wolle den Vorfall untersuchen und werde sich "nicht davor fürchten, einen Fehler zuzugeben, sollte dies die Schlussfolgerung sein". Mofas gab zu, dass die Polizisten nicht am Beschuss israelischer Ziele beteiligt gewesen seien. Von dem Kontrollpunkt bei Beitunia in Ramallah würden jedoch täglich israelische Ziele beschossen, sagte der Generalstabschef. Arafat hatte Israel für die Tötung der Männer am Montag Rache geschworen.

Der Palästinenserpräsident traf am Dienstag im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich mit Ägyptens Präsidenten Husni Mubarak zusammen. Dabei betonten beide Politiker, der vor knapp zwei Wochen vorgelegte Michell-Bericht sei ebenso wie der ägyptisch-jordanische Friedensplan eine solide Basis für eine Beendigung der Gewalt und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.

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