Nahost: "Der Friedensprozess ist tot" - DER SPIEGEL
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Nahost "Der Friedensprozess ist tot"

Die Palästinenser bezeichnen es bereits als Krieg. Jedenfalls war es ein neuer Höhepunkt der Gewalt: Einwohner von Ramallah lynchten zwei israelische Soldaten; israelische Hubschrauber flogen Vergeltungsangriffe auf Arafats Hauptquartier.
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Ramallah - Die Kampfhubschrauber schossen Raketen auf Gaza-Stadt und Ramallah ab. Mehrere Geschosse schlugen in der Nähe der Büros von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat ein. Israels Informationsminister Benjamin Ben Elieser sagte: "Heute gibt es keinen Friedensprozess. Der Friedensprozess ist tot."

Ministerpräsident Ehud Barak traf nach der Ermordung der Soldaten mit seinen Sicherheitschefs zusammen. Kurz darauf erklärte die Regierung, der Zwischenfall sei sehr schwer wiegend und werde geahndet. Ein Regierungssprecher sagte, es sei offensichtlich, dass der Mob in Ramallah freie Hand gehabt habe. Dies zeige, dass Arafat alles tue, um den ganzen Nahen Osten in Brand zu setzen. Israels stellvertretender Verteidigungsminister Ephraim Sneh sagte, der Zwischenfall könne nicht hingenommen werden. "Wir haben nicht einen Staat geschaffen, damit Juden gelyncht werden, sondern damit sie nicht mehr gelyncht werden", sagte er. Ein Berater Arafats sagte hingegen, die palästinensische Polizei habe versucht, die Menschen zurückzuhalten, 13 Polizisten seien dabei verletzt worden.

Am Nachmittag griffen dann israelische Kampfhubschrauber zunächst die Polizeistation in Ramallah und das dortige Hauptquartier Arafats an. Fernsehberichten zufolge zogen bei Ramallah auch Panzer auf. Später beschossen Hubschrauber auch Gaza-Stadt, wo Arafat sein erstes Hauptquartier hat. In dessen Nähe waren mehrere Explosionen zu hören. Das Gebäude wurde aber offenbar nicht getroffen. Arafat selbst sei unverletzt und in Sicherheit, sagte sein Sicherheitschef. Vor der Küste des Gaza-Streifen kreuzten israelische Kriegsschiffe. Erst am Abend wurden die Angriffe einem Barak-Sprecher zufolge eingestellt. Insgesamt wurden bei der Militäroperation mehrere Menschen verletzt.

Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates sagte, die USA seien sehr besorgt, dass die Lage auf ein noch gefährlicheres Niveau eskalieren könne. Präsident Bill Clinton habe mit Arafat telefoniert und versucht, etwas über die Umstände des Mordes an den Soldaten zu erfahren. Es gebe möglicherweise Anzeichen dafür, dass die palästinensischen Behörden versucht hätten, die israelischen Soldaten zu schützen, sagte er. Clinton habe zudem mit Uno-Generalsekretär Kofi Annan und dem britischen Premierminister Tony Blair über die Lage in Nahost gesprochen.

Ölpreise steigen sprunghaft

Angst vor einer Eskalation hat auch die israelische Währung und die Finanzmärkte des Landes deutlich belastet. Der Wert des Schekel fiel um über 1,4 Prozent auf den tiefsten Stand seit Juni. Auch die Aktienmärkte gaben angesichts der Unruhen im Nahen-Osten nach. Der israelische Aktienindex TA-100 schloss am Donnerstag mit 7,6 Prozent im Minus.

Auch die Ölpreise stiegen sprunghaft an. Der Preis der marktführenden Ölsorte Brent kletterte in der Spitze über drei Dollar auf 35 Dollar und erreichte damit ein neues Zehnjahreshoch. US-Leichtöl stieg in der Spitze um knapp vier Dollar auf 37 Dollar je Barrel an.