Nahost Gewalt setzt sich fort
Jerusalem - Im Gazastreifen erschoss ein junger Palästinenser am Kontrollpunkt Eres einen israelischen Grenzpolizisten, bevor er von israelischen Soldaten tödlich getroffen wurde. Er trug nach israelischen Angaben einen Sprengstoffgürtel um den Leib.
Nahe der Stadt Kalkilia im Westjordanland sprengte sich am Nachmittag ein junger Palästinenser an einem israelischen Kontrollpunkt in die Luft. Soldaten hatten ihn aufgefordert, stehen zu bleiben, als er die Explosion auslöste. Keiner der Soldaten sei verletzt worden, sagte ein Armeesprecher.
Überlebender in Dschenin geborgen
Bei der verzweifelten Suche nach Überlebenden der schweren Kämpfe im Flüchtlingslager von Dschenin haben Helfer am Samstag einen 17-jährigen verschütteten Palästinenser nach mehr als einer Woche unter den Trümmern eines Hauses lebend geborgen. Der Jugendliche wurde sofort in Krankenhaus von Dschenin gebracht. Er sei in erstaunlich gutem Zustand, berichteten die Ärzte.
Am Abend wurde in dem stark zerstörten Lager die Leiche eines Palästinensers aus einem bei den Kämpfen von der israelischen Armee eingerissenen Haus geborgen. Die Zahl der Toten liege inzwischen über 40, hieß es in palästinensischen Berichten. Nach den blutigen Gefechten, die vor mehr als zwei Wochen in dem Lager begonnen hatten, bezichtigen die Palästinenser Israel eines Massakers mit Hunderten von Toten.
Palästinenserpräsident Jassir Arafat ernannte am Samstagabend ein zehnköpfiges Komitee, das den Vereinten Nationen bei der geplanten Untersuchung der Ereignisse im Lager von Dschenin helfen soll.
Nablus bis Sonntag geräumt?
Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben Elieser kündigte an, ein schrittweiser Rückzug aus den palästinensischen Städten werde fortgesetzt. Bis Sonntagmorgen werde Nablus geräumt sein und auch der größte Teil der israelischen Truppen Ramallah verlassen haben. Der Sitz des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat werde aber weiterhin umstellt bleiben.
Am Freitag hatten israelische Truppen Dschenin geräumt, in das der UN-Sicherheitsrat eine Untersuchungskommission zur Klärung palästinensischer Vorwürfe über Massaker entsenden wird. Israel stimmte einer entsprechenden Resolution zu, die in der Nacht zum Samstag einstimmig verabschiedet wurde. Der israelische Außenminister Schimon Peres erklärte nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Ariel Scharon, sein Land werde UN-Vertreter im Land begrüßen, "um die Fakten zu klären". "Israel hat in Bezug auf die Operation in Dschenin nichts zu verheimlichen", sagte Peres UN-Generalsekretär Kofi Annan.
UN besorgt
Die UN-Resolution äußert sich besorgt über die schlechte humanitäre Lage der palästinensischen Bevölkerung und weist auf die Notwendigkeit hin, medizinischen und humanitären Organisationen Zutritt zu den belagerten Gebieten zu gewähren. Ferner werden vorausgegangene Resolutionen bekräftigt, die einen sofortigen israelischen Rückzug aus allen palästinensischen Städten und ein Ende der Gewalt fordern.
Der US-Nahostgesandte William Burns zeigte sich am Samstag schockiert über das Ausmaß der Zerstörungen in Dschenin. Er sprach von einem "enormen Leid für unschuldige palästinensische Zivilisten" und rief zu schneller humanitärer Hilfe auf. Mitarbeiter des Dscheniner Krankenhauses teilten mit, in den vergangenen zwei Tagen seien elf Menschen in Sprengfallen oder von Blindgängern verletzt worden.