Nahost: Israel will Libanon-Abzug abschließen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nahost Israel will Libanon-Abzug abschließen

Die israelischen Streitkräfte wollen ihren Abzug aus dem Libanon am Sonntag abschließen. Die Aktion ist Teil einer Waffenstillstands-Vereinbarung. Die gewaltsamen Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern gehen unterdessen weiter. Bei einem Luftangriff wurde ein Mann getötet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jerusalem - Anweisungen zu einem Rückzug aus dem Libanon habe Verteidigungsminister Amir Peres der Armee erteilt, berichtete die israelische Tageszeitung "Jerusalem Post" am Samstagabend. Von Seiten der libanesischen Regierung in Beirut hieß es, der Kommandeur der Uno-Truppe im Libanon (UNIFIL), der französische General Alain Pellegrini, habe Ministerpräsident Fuad Siniora über die israelischen Abzugspläne informiert. Aus Kreisen des Verteidigungsministeriums verlautete, die Truppen würden in der Nacht entsprechende Vorbereitungen treffen.

Der Rückzug aus dem Libanon ist Teil einer Waffenstillstands-Vereinbarung, die im August die 34 Tage dauernden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz beendet hatte. Der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis schwelt unterdessen aber weiter. Bei einem israelischen Luftangriff in Rafah im südlichen Gazastreifen wurde nach Angaben von Sanitätern ein Mann getötet, vier weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Unter ihnen war ein sechsjähriger Junge. Den palästinensischen Angaben zufolge handelte es sich bei dem Getöteten um ein 25-jähriges Mitglied der militanten Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden.

Ein Verletzter bei Raketenangriff

Kurz zuvor hatten israelische Soldaten im nördlichen Gazastreifen ein Ziel an der Grenze zu Israel angegriffen. Laut Augenzeugen wurde dabei niemand verletzt. Nach Angaben der Streitkräfte war ein militanter Palästinenser Ziel des Angriffs. Er soll versucht haben, eine Rakete auf Israel abzufeuern. Bei einem Raketenangriff militanter Palästinenser wurde am Samstag im Süden Israels ein Mensch verletzt. Das Geschoss traf ein Haus in der Stadt Sderot, die häufig zum Ziel von Raketenangriffen wird, wie Rettungskräfte mitteilten.

Seit dem Beginn des palästinensischen Volksaufstands, der Intifada, im Jahr 2000 sind mehr als tausend solcher Raketen auf die 24.000-Einwohner-Stadt in der Negev-Wüste abgefeuert worden. Dabei wurden fünf Menschen getötet, unter ihnen drei Kinder. Seit dem 28. Juni hat die israelische Armee als Reaktion auf die Verschleppung eines ihrer Soldaten im Gazastreifen und zur Unterbindung des Raketenbeschusses eine umfassende Offensive gestartet. Dabei wurden mehr als 220 Palästinenser getötet.

In Gaza gingen mehrere tausend palästinensische Regierungsmitarbeiter auf die Straße und forderten die Auszahlung ihrer ausstehenden Gehälter. Die Demonstranten zündeten Reifen an, blockierten Straßen und schossen in die Luft. Die palästinensische Regierung hatte am Donnerstag damit begonnen, einen Teil der ausstehenden Entlohnung an 165.000 Mitarbeiter zu zahlen, die wegen des Wirtschaftsembargos seit Monaten keine vollen Bezüge erhalten haben. Bei Rafah bewarfen Demonstranten das Auto von Kulturminister Attalah Abu Sabh mit Steinen. Nach Angaben der Hamas gingen dabei die Fenster des Wagens zu Bruch, der Minister blieb jedoch unverletzt.

fok/AFP/Reuters/AP