Nahost-Konflikt: Gewalt gegen Gewalt - DER SPIEGEL
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Nahost-Konflikt Gewalt gegen Gewalt

Die israelische Armee scheint mit ihrem heftig kritisierten massiven Einsatz in den Autonomiegebieten keinen Erfolg zu haben. Die Gewalt nimmt auf beiden Seiten kein Ende.
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Gaza/Washington/New York - Bei einer Explosion im Hauptquartier einer Eliteeinheit der palästinensischen Polizei in Ramallah wurden nach Angaben von Sanitätern drei Passanten leicht verletzt. Augenzeugen zufolge ereignete sich die Detonation in einem Gebäude der "Force 17" in der Stadt im Westjordanland. Der Grund des Explosion war zunächst unklar. Augenzeugen berichteten, Dachziegel des Gebäudes seien in die Luft geflogen. Der israelische Armeerundfunk berichtete, die Explosion sei möglicherweise durch eine Autobombe ausgelöst worden.

Die "Force 17", die auch die Leibwache von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat stellt, war in den vergangenen Tagen wiederholt Ziel israelischer Angriffe. Israel verdächtigt die Polizeieinheit, treibende Kraft des Aufstandes der Palästinenser zu sein.

Palästinensische Extremisten hatten auch in der Nacht zum Donnerstag wieder Mörsergranaten auf israelische Ziele im Gaza-Streifen gefeuert. Israelische Soldaten verletzten ihrerseits von einem Panzer aus einen mutmaßlichen Führer der radikal-islamischen Hamas-Organisation durch ein Raketengeschoss schwer. Palästinensische Kreise sprachen nach dem Zwischenfall von einem "Hinrichtungsversuch" der Israelis gegen den 25-jährigen Chalil Sakani.

Die umstrittene Armee-Aktion wurde unterdessen auch von israelischen Politikern kritisiert. Transportminister Efraim Sneh, in der früheren Regierung Vize-Verteidigungsminister, meinte, der offenbar auf Druck der USA beendete Einmarsch der Truppen in den Gaza-Streifen sei erfolglos geblieben. Sneh warf Ministerpräsident Scharon vor, das Kabinett nicht über den international verurteilten Schritt informiert zu haben.

Der 73-jährige Regierungschef hatte mit US-Präsident George W. Bush telefoniert, um die Verwirrung um die israelische Entscheidung aufzuklären. Nach Angaben eines israelischen Sprechers warnte Scharon die US-Regierung, dass Israel "keine Wahl habe, als seine Präventivmaßnahmen fortzusetzen", weil die palästinensische Seite nichts tue, um die Angriffe gegen Israel und Israelis zu unterlassen. Von amerikanischer Seite verlautete, Bush habe Scharon zur Mäßigung gedrängt. Am Abend telefonierte Bush auch mit dem syrischen Präsidenten Baschar Assad. Beide seien sich einig gewesen, dass Zurückhaltung von allen Seiten notwendig sei, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses.

Angesichts der andauernden Krise in der Region erwägt US-Präsident Bush nach israelischen Berichten, nun doch einen Sonderbeauftragten für den Nahen Osten zu ernennen. Der israelische Rundfunk berichtete unter Berufung auf "führende israelische Kreise in engem Kontakt zur amerikanischen Regierung", dass US-Außenminister Colin Powell die Arbeitsbelastung durch den Konflikt allein nicht mehr bewältigen könne. Ursprünglich hatte Bush angedeutet, dass er zunächst keinen Sonderbeauftragten ernennen wolle. Spitzenkandidat für den wichtigen Posten sei Edward Djerejian, ehemaliger US-Botschafter in Israel und Syrien.

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