Nahost-Konflikt: Hamas fordert Abbas heraus - DER SPIEGEL
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Nahost-Konflikt Hamas fordert Abbas heraus

Zum ersten Mal seit 1995 haben sich Gründer und Führer der radikalen Hamas gemeinsam auf einer Bühne in Gaza gezeigt - eine Kampfansage an die palästinensische Autonomiebehörde. Kurz vor dem israelischen Abzug verschärfen die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen.
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Tel Aviv - Die Hamas-Chefs präsentierten sich vor einem offiziellen Symbol der Organisation und neben einer grünen islamischen Fahne. Sie kündigten die Fortsetzung ihres bewaffneten Kampfes auch nach dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen an, beanspruchten das Recht, Waffen zu tragen, und reklamierten die Räumung der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen als Erfolg ihres ihren militanten Widerstandes.

Ein ranghoher Hamas-Führer, Ismail Hanije, erklärte, die Organisation wolle die Fatah von Präsident Mahmud Abbas nicht bekämpfen. Es dürfe jedoch nicht sein, dass eine Partei die politischen Entscheidungen allein treffe.

Nur einen Tag vor der Pressekonferenz der Hamas hatte die Autonomiebehörde im Beisein Abbas die erste Feier vor dem am Montag beginnenden Abzug veranstaltet. Dabei hatten Redner erklärt, alle Feierlichkeiten zum israelischen Abzug würden unter der offiziellen palästinensischen Flagge stehen.

Abbas erklärte, Israel werde als nächstes das Westjordanland und Jerusalem räumen. Trotz der Spannungen wollten Vertreter der Hamas und der Fatah heute zu Gesprächen zusammenkommen. Dabei sollte es um die bevorstehende Wahl und andere Themen gehen.

Jerusalem: Zutritt zum Tempelberg wird reglementiert

Die israelischen Behörden haben die Sicherheitsvorkehrungen in Jerusalem verschärft. Am Sonntag solle der Tempelberg für jüdische Extremisten gesperrt werden, meldete der Militärrundfunk. Die Sicherheitskräfte fürchten, dass es dort zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Muslimen kommen könnte. Im Gazastreifen bezogen palästinensische Sicherheitskräfte und Polizisten Stellung in der Nähe der jüdischen Siedlungen und entlang von Verbindungsstraßen. Wegen eines jüdischen Feiertags rechneten die Behörden für Sonntag mit zehntausenden Gläubigen an der Klagemauer am Fuße des Jerusalemer Tempelbergs. An dem Feiertag wird der Zerstörung der beiden jüdischen Tempel in Jerusalem gedacht. Die Behörden erwarteten eine äußerst angespannte Lage, da am Montagmorgen die Frist für den freiwilligen Abzug der jüdischen Siedler aus dem Gazastreifen abläuft. Am Mittwoch will die Armee dann mit der Räumung der Gebiete beginnen. USA: Juden demonstrieren in Großstädten

Der Mufti von Jerusalem, Scheich Ekremah Sabri, hatte die Muslime beim Freitagsgebet dazu aufgerufen, am Sonntag den Tempelberg gegen einen möglichen Angriff jüdischer Extremisten zu verteidigen. Auf dem Tempelberg steht die El-Aksa-Moschee, die drittwichtigste heilige Stätte des Islam nach Mekka und Medina. Sie ist auf den Ruinen des im Jahr 70 von den Römern zerstörten zweiten jüdischen Tempels erbaut, von dem nur noch eine Wand, die den Juden heilige Klagemauer, erhalten ist. Jüdische Extremisten wollen dort einen dritten Tempel errichten, um die "Ankunft des Messias" zu beschleunigen. Der Rat für die jüdischen Siedlungen im Westjordanland und im Gazastreifen rief für Samstagabend zu einer erneuten Demonstration vor dem Sitz des israelischen Regierungschefs Ariel Scharon in Jerusalem auf. Die größte Siedlerorganisation wollte die Demonstranten eigenen Angaben zufolge dazu bewegen, sich zum Gazastreifen zu begeben, um dort den geplanten Abzug massiv zu behindern. Für die Nacht zum Sonntag waren auch Demonstrationen in den USA gegen den Abzug aus dem Gazastreifen angekündigt. Zu den Protesten in New York, Washington, Miami, Atlanta, Boston sowie Chicago und San Francisco rief die Allianz für Eretz Israel auf, der zahlreiche jüdische Organisationen angehören. Vorgesehen waren Mahnwachen und Gebete vor der israelischen Botschaft und israelischen Konsulaten. Eine weitere Großdemonstration soll am Sonntag in New York stattfinden. Am Dienstag ist zudem eine Kundgebung unweit des Uno-Hauptquartiers in New York geplant. Das US-Außenministerium rief in einer Sicherheitswarnung US-Staatsbürger in Israel zu erhöhter Vorsicht während des Gaza-Rückzugs auf.

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