Nahost: Neuer Ausbruch der Gewalt - DER SPIEGEL
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Nahost Neuer Ausbruch der Gewalt

Trotz scharfer internationaler Proteste hat Israel am Samstag Ziele im Westjordanland massiv attackiert. Bei den Luftangriffen wurden 30 Palästinenser verletzt. Zudem erschossen israelische Soldaten drei Palästinenser.
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Ramallah/Gaza/Kairo - Israelische Kampfflugzeuge und -hubschrauber feuerten am Samstag Raketen auf Gebäude der palästinensischen Ploizeit und der Eliteeninehit "Force 17" ab. Dabei wurden etwa 30 Palästinenser in Dschenin und Tulkartem verletzt. Mit 20 Todesopfern, darunter zwölf Palästinenser, hatte die Gewalt zwischen beiden Konfliktparteien am Freitag einen neuen Höhepunkt erreicht. Es war einer der blutigsten Tage im Nahostkonflikt seit Ausbruch der Unruhen im vergangenen Herbst. Auf beiden Seiten gab es über 100 Verletzte. International mehrten sich die Rufe nach einem sofortigen Stopp der Kampfhandlungen.

Im Gazastreifen, Nablus und bei Dschenin im nördlichen Westjordanland erschossen israelische Soldaten am Samstag erneut drei Palästinenser. Nahe dem Karni-Grenzübergang östlich von Gaza wurde ein Bauer auf einem Feld tödlich von israelischen Geschossen getroffen. Am Eingang eines Dorfes bei Dschenin starb ein Mitglied von "Force 17" bei einem Feuergefecht mit israelischen Soldaten. In Nablus wurde ein 18-jähriger Palästinenser erschossen. Israel belegte die Stadt Chan Junis im Gazastreifen am Samstag mit schwerem Artilleriefeuer. Palästinensische Rebellen feuerten erneut Mörsergranaten auf die jüdische Siedlung Gadid im Gazastreifen.

"Das ist Krieg, meine Freunde, das ist Krieg", sagte der israelische Kommunikatonsminister Reuven Rivlin in Jerusalem. Der palästinensische Informationsminister Abed Rabbo fordert ein Ende der "terroristischen Verbrechen Israels" und der "massiven Zerstörung des palästinensischen Volkes".

Am Freitagabend hatte Israel mit den bisher schwersten Luftangriffen auf Städte im Westjordanland und Gazastreifen auf den blutigen Selbstmordanschlag eines palästinensischen Extremisten in Netanja, bei dem sechs Israelis ihr Leben verloren, und die Tötung eines israelischen Armeeoffiziers bei Ramallah reagiert. Allein in Nablus starben elf Palästinenser. Sie wurden unter den Trümmern eines Polizei-Hauptquartiers begraben, das auch als Gefängnis diente.

Die Opfer waren nach Medienberichten Polizisten, die auf Demonstrationen eingesetzt werden, um für Ordnung zu sorgen. Keiner von ihnen sei an Angriffen auf israelische Ziele beteiligt gewesen, hieß es. Ein weiteres Opfer war ein Häftling, der für ein kriminelles Vergehen einsaß. Bei den Luftangriffen auf Ramallah wurde ein Mitglied der "Force 17" getötet.

Arafat: "Standhaft bleiben"

Die Palästinenser wollen nach den Worten von Palästinenserpräsident Jassir Arafat "standhaft bleiben" und sich nicht durch israelische Luftangriffe einschüchtern lassen. Die israelischen Angriffe der vergangenen 24 Stunden bedeuteten eine weitere Eskalation der Gewalt, sagte Arafat am Samstag vor Beginn eines auf palästinensischen Wunsch einberufenen Sondertreffens der Arabischen Liga.

Die Palästinenser hielten am Samstag einen Generalstreik ein, um gegen die Luftangriffe zu protestieren und ihre Trauer für die Toten auszudrücken. An der Beisetzung der elf Opfer von Nablus, dem bislang größten Begräbnis im Westjordanland, nahmen etwa 50.000 Palästinenser teil. Die Toten wurden auf Jeeps, die mit der palästinensischen Flagge geschmückt waren, durch die Straßen gefahren. Viele Palästinenser gaben Schüsse in die Luft ab.

UN-Generalsekretär Kofi Annan kritisierte Israel in ungewöhnlich scharfer Form und bezeichnete die Luftangriffe als "exzessiv und verfehlt". Er sei "zutiefst erschüttert über die unangemessene israelische Reaktion auf die schreckliche Terroristenattacke", erklärte Annan in New York.

US-Außenminister Colin Powell rief zu einem "bedingungslosen Ende" der Gewalt auf. US-Präsident George W. Bush verurteilte den Selbstmordanschlag und forderte alle Beteiligten des Konflikts auf, die Gewaltspirale zu beenden. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin rief am Samstag in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon zu einem sofortigen Ende der Gewalt in Nahost auf. Der neue Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, forderte eine internationale Intervention zum Schutz der Palästinenser vor israelischen Angriffen.

Bundesaußenminister Joschka Fischer zeigte sich im Namen der Bundesregierung ebenfalls tief besorgt. Beide Seiten müssten in gemeinsamer Anstrengung weiteren Eskalationen entgegentreten und an den Verhandlungstisch zurückkehren.

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