Nahost Neuer Bombenterror in Jerusalem
Jerusalem - Der Sprengsatz lag in einem Auto, das auf einem Parkplatz in der Nähe der Polizeiwache, einer russischen Kathedrale, einem Gerichtsgebäude und der durch viele Discotheken gewöhnlich belebten Jaffa-Straße abgestellt worden war. Wie durch ein Wunder wurde bei der Explosion niemand verletzt; mehrere Passanten erlitten jedoch einen Schock. Wegen des bevorstehenden jüdischen Feiertags Schawuot, der am Abend beginnt, war die Jaffa-Straße am Morgen fast menschenleer. Kurz nach dem Anschlag, für den palästinensische Extremisten verantwortlich gemacht werden, fand die Polizei in der Nähe des Tatorts einen weiteren Sprengkörper, der jedoch entschärft werden konnte.
Die Bombe explodierte nicht weit von der Stelle, wo bereits am späten Samstagabend eine Autobombe detoniert war. Zu diesem Anschlag hat sich inzwischen die radikale Volksfront für die Befreiung Palästinas bekannt. Das Auto wurde durch den Druck der Explosion völlig zerfetzt. Nach dem Anschlag war die Straße Minuten lang in dichten Rauch gehüllt. Das Gebiet wurde von der Polizei weiträumig abgesperrt.
Als Reaktion auf die erneuten Anschläge sind israelische Truppen am Sonntag nach mehrtägiger Pause wieder in autonomes Palästinensergebiet eingedrungen. Panzer und Räumfahrzeuge fuhren bei Chan Junis im Süden des Gazastreifens auf palästinensisches Land und walzten nach Angaben eines Polizeisprechers einige Obstplantagen nieder. Außerdem hätten Panzer Häuser in der Stadt Rafach an der Grenze zu Ägypten beschossen.
Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser hatte am vergangenen Dienstag den Befehl an die Armee ausgegeben, das Feuer und offensive Aktionen gegen die Palästinenser einzustellen und nur noch in akuter Notwehr zu schießen. Nach der jüngsten Serie von Bombenanschlägen wird jedoch in Israel der Ruf nach Vergeltung immer stärker.
Östlich der Stadt Bethlehem im Westjordanland feuerten israelische Siedler am Sonntag bei der Siedlung Tekoa auf ein palästinensisches Auto und verletzten zwei Palästinenser schwer. Der seit acht Monaten andauernde blutige Konflikt hat nach palästinensischen Angaben bisher 501 Palästinenser das Leben gekostet. Auf israelischer Seite wurden 89 Menschen Opfer der Gewalt. Am Freitag waren bei einem Selbstmordanschlag palästinensischer Extremisten in der israelischen Stadt Hadera mehr als 60 Menschen verletzt worden. Die zwei Attentäter starben in dem Auto, mit dem sie sich in der Nähe eines Busses in die Luft sprengten.