Nahost-Politik Bushs Eiertanz
Seit der amerikanische Präsident George W. Bush den Kampf gegen den Terrorismus begonnen hat, gab es nie auch nur den geringsten Zweifel an seiner Strategie. Bis jetzt. Die vergangenen Wochen haben ihn in den Strudel des Nahost-Konflikts gezogen.
Vor zwei Wochen rügte er scharf den Kriegskurs des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon. Am Osterwochenende unterstützte er ihn ausdrücklich und verurteilte mit harten Worten Palästinenserpräsident Jassir Arafat.
Nur wenige Stunden zuvor hatte der amerikanische Präsident mit dem Nationalen Sicherheitsrat über den Nahostkonflikt beraten. Seine Berater in dem Gremium hatten dort nach Informationen der "New York Times" erneut ihre Zweifel vorgebracht, ob die Strategie von Scharon überhaupt jemals die Selbstmordattentate stoppen oder Arafat wieder an den Verhandlungstisch zwingen kann.
Bushs Problem ist dies: Um in seinem Kampf gegen den Terrorismus glaubhaft zu wirken, hat er eigentlich nur eine Möglichkeit. Er muss Arafat angreifen, weil der Palästinenserchef bislang nicht erreicht hat, dass die Selbstmordattentate aufhören. Seiner eigenen Logik zufolge müsste Bush die Palästinenser genauso verfolgen, wie die Taliban- und al-Qaida-Kämpfer. Das kann er jedoch nicht.
Bush braucht arabische Unterstützung für seine drohende Auseinandersetzung mit dem Irak. Und die arabischen Staaten verlangen von ihm, Scharons Regierung zu verurteilen. So versucht sich Bush nun seit Wochen im Hochseil-Tanzen - schwankend und herumbalancierend, um nicht auf der einen oder anderen Seite herunterzufallen.
Gegenüber der "New York Times" versuchte ein Mitglied der Regierungsrunde am Wochenende Bushs Rumeierei zu relativieren. "Der Präsident steht vor einer Reihe schwieriger Entscheidungen - schwieriger als jede andere, die er seit dem 11. September getroffen hat." Vieles sei noch unentschieden. "Und vielleicht ist das der Grund dafür, dass unsere Botschaften in der letzten Zeit, sagen wir, wenig klar schienen."