Nahost Scharon droht Arafat
Jerusalem - Jeder wisse, dass Arafat das Hindernis sei, das jeden Fortschritt blockiere, sagte Scharon laut "Maariv". Radio Israel zitierte bereits gestern Scharon mit den Worten: "Wer auch immer für die Ermordung von Juden verantwortlich ist, der sollte nicht glauben, dass er eine Lebensversicherungspolice hat." Es hieß, diese Äußerung beziehe sich auf Arafat und Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah, die die Regierung wiederholt beschuldigt hatte, Anschläge radikaler Palästinenser gegen Israel zu unterstützen. Zumindest Arafat bestreitet diesen Vorwurf. Seit mehr als zwei Jahren steht er in seinem Hauptquartier in Ramallah praktisch unter Hausarrest.
Vor mehreren Monaten hatte das israelische Kabinett Arafat für die palästinensische Gewalt verantwortlich gemacht und erklärt, er müsse "entfernt werden". Mehrere Kabinettsminister sprachen sich seitdem für die Verbannung oder Tötung des palästinensischen Präsidenten aus.
In dem Interview mit "Maariv" erklärte Scharon zudem, er plane einen einseitigen Abzug aus dem gesamten Gazastreifen und aus vier Siedlungen im Westjordanland. "Wir müssen aus Gaza abziehen, um nicht länger verantwortlich zu sein für das, was dort passiert." Laut "Maariv" will Israel die Grenze vom Gazastreifen zu Ägypten aber weiterhin kontrollieren. Das vollständige Interview will die Zeitung zum jüdischen Passahfest am Montag abdrucken.
Offensive an der ägyptischen Grenze
Derweil rückten am frühen Morgen israelische Panzer in das Flüchtlingslager Rafah an der Grenze zu Ägypten ein. Palästinensische Sicherheitsbeamte und Anwohner berichteten von heftigen Schusswechseln zwischen Soldaten und bewaffneten Palästinensern. Soldaten hätten die Dächer von drei Häusern besetzt und dort Scharfschützen postiert.
Krankenwagen wurden zum Schauplatz der Gefechte entsandt. Berichte über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die israelische Armee erklärte, es handele sich um eine begrenzte Aktion. Sie richte sich gegen die Infrastruktur von Tunneln, die von den Palästinensern zum Schmuggel von Waffen aus Ägypten genutzt würden.
Das US-Außenministerium begrüßte die jüngste Kritik des palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Kurei an Selbstmordattentätern. Kurei hatte am Mittwoch erklärt, dass die Anschläge der palästinensischen Wirtschaft geschadet hätten. Darüber hinaus hätten sie Israel einen Vorwand gegeben, Siedlungen und eine Sperranlage durch palästinensisches Gebiet zu bauen. Die Anschläge seien auch moralisch zu verurteilen.
Außenamtssprecher Adam Ereli nannte die Äußerungen bemerkenswert. Es sei wichtig, dem Terrorismus öffentlich abzuschwören und zu sagen, dass er dem Bestreben des palästinensischen Volkes zuwiderlaufe. Doch seien auch konkrete Taten nötig, und dazu hätten die USA die palästinensische Autonomiebehörde wiederholt aufgefordert. Dies zähle weiterhin zu den obersten Prioritäten Washingtons.