Nahost: Träumen von der Waffenruhe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nahost Träumen von der Waffenruhe

Bei einem Vorstoß der israelischen Armee im Gazastreifen sind in der Nacht drei Palästinenser getötet worden. Damit rückt die geplante Waffenruhe in immer weitere Ferne.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gaza - Israelische Panzer drangen in der Nacht in die palästinensische Stadt Rafah nahe der ägyptischen Grenze vor und zerstörten zwei Häuser. Die Feuergefechte zwischen Israelis und Palästinensern dauerten nach Augenzeugenberichten die ganze Nacht.

Ein vier Jahre altes Mädchen, das am Donnerstag von israelischen Soldaten angeschossen worden war, sei in der Nacht zum Samstag in Rafah seinen Verletzungen erlegen, teilte das dortige Krankenhaus mit. In Hebron im Westjordanland starb ein weiterer Palästinenser an den Folgen einer Schussverletzung, die er am Vortag bei Gefechten mit israelischen Soldaten erlitten hatte. Am Freitag hatten israelische Soldaten in der Nähe von Nablus außerdem einen Schäfer erschossen.

Israelische Soldaten feuerten nach Augenzeugenberichten in der Nacht zum Samstag auf die Besucher einer Moschee in Rafah. Dabei seien 15 Menschen verletzt worden, zwei von ihnen schwer.

Palästinenser kündigen Widerstand an

Die drei führenden Organisationen militanter Palästinenser teilten mit, sie wollten sich nicht an der von US-Vermittler Anthony Zinni angestrebten Waffenruhe beteiligen. Nach den al-Aksa-Brigaden erklärten am Samstag auch die Hamas-Bewegung und der Islamische Dschihad, sie würden sich nicht an ein solches Abkommen halten, sondern ihren Widerstand gegen die israelische Besetzung fortsetzen. Der geistige Führer der Hamas, Scheich Abdullah Schami, rief die palästinensische Autonomiebehörde von Jassir Arafat auf, den Widerstand zu unterstützen. "Der einzige Weg, die Besetzung zu beenden, führt über den Kampf", sagte Schami. Hamas-Sprecher Ismail Abu Schanab sagte, Israel habe frühere Waffenstillstandsverpflichtungen nicht eingehalten. Deshalb werde die Hamas solchen Abmachungen nicht mehr vertrauen.

Trotz der jüngsten Selbstmordanschläge von Palästinensern mit zehn israelischen Todesopfern zeigte sich die Autonomieverwaltung hoffnungsvoll, dass die Verhandlungen Zinnis innerhalb von zwei Tagen zum Abschluss eines Waffenstillstands führen könnten.

"Wir hoffen, dass er Erfolg haben wird", sagte der palästinensische Sicherheitschef im Gazastreifen, Abdel Rasak Madschaida. Zinni traf am Freitag mit Arafat zusammen und kritisierte, dass die palästinensische Verwaltung nicht genug getan habe, um weitere Anschläge zu verhindern. Eine weitere Gesprächsrunde Zinnis mit den beiden Konfliktparteien ist für Sonntag geplant.

Mehr lesen über