Nahost Und täglich neue Opfer
Jerusalem/Tulkarem - Zugleich feuerte die Armee Raketen auf Ziele der palästinensischen Autonomiebehörde im nördlichen Gaza-Streifen ab. Der EU-Beauftragte für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, forderte den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon am Dienstag während eines Treffens zur Lockerung der Sanktionen gegen die palästinensische Bevölkerung auf. Vor einem Gespräch mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat und US-Nahostvermittler Anthony Zinni am Abend betonte Solana vor Journalisten gleichzeitig, Arafat müsse "weiter den Terror bekämpfen". Dies sei "zurzeit seine Verpflichtung".
Die Gewalt in den Palästinensergebieten dauerte auch am Dienstag an. Nach israelischen Angaben versuchten zwei Palästinenser aus einem Dorf bei Tulkarem am Morgen, mit einem Fahrzeug eine israelische Straßensperre zu durchbrechen. Die Soldaten hätten zunächst mehrere Warnschüsse in die Luft gefeuert und erst dann das Feuer auf den Wagen eröffnet. Palästinensische Augenzeugen berichteten hingegen, das Auto habe sich der Straßensperre langsam genähert und die Soldaten hätten ohne jeden Grund angefangen zu schießen.
Solana informierte Scharon bei dem Treffen in Jerusalem über den Aufruf der EU-Außenminister zu einem offiziellen Stopp des palästinensischen Aufstands gegen Israel. Die EU hatte Arafat am Montagabend in ungewöhnlich scharfer Form zum Kampf gegen den Terrorismus und zur Auflösung der "terroristischen Gruppen" Islamischer Dschihad und Hamas aufgefordert. Scharon äußerte sich sehr zufrieden über den EU-Aufruf.
Zinni plante am Dienstagabend die Teilnahme an einem weiteren Treffen israelischer und palästinensischer Sicherheitsexperten.
Der israelische Außenminister Schimon Peres sagte am Dienstag, der Ball sei nun bei den Palästinensern. Hamas schade ihnen "nicht weniger als Israel". Den Tod zweier palästinensischer Kinder bei einem fehlgeschlagenen israelischen Liquidierungsversuch am Montag in Hebron nannte er "sehr bedauerlich". Hinsichtlich der Forderung der EU nach einem Abzug Israels aus den palästinensisch kontrollierten Gebieten sagte Peres, Israel habe ohnehin keine Absicht, dort zu bleiben. "Wenn Zinni mit seiner Mission Erfolg hat, werden wir uns von dort zurückziehen", sagte er dem israelischen Rundfunk in einem Gespräch aus Rom.
In der Nacht hatte Israels Armee erneut mit Kampfhubschraubern Einrichtungen der palästinensischen Autonomiebehörde im nördlichen Gazastreifen angegriffen. Unter den Zielen in den Städten Beit Lahia, Beit Chanun und dem Flüchtlingslager Dschebalia war auch ein Stützpunkt der Eliteeinheit Force 17 von Präsident Arafat.