Nato Bush umschmeichelt Kroatien
Zagreb - Er warb und schmeichelte: Bei seinem Besuch in Kroatien hat US-Präsident George W. Bush die Nato als Garant für Sicherheit und Stabilität gepriesen - und die Offenheit des Bündnisses betont. Es stehe allen Ländern des Balkans offen, sagte der US-Präsident in einer Rede vor rund 3000 Kroaten in der Hauptstadt Zagreb.
Die Nato hatte am Donnerstag auf ihrem Gipfel in Bukarest Kroatien und Albanien offiziell zum Beitritt eingeladen. Von Zagreb aus flog Bush nach Russland, wo er mit dem in einem Monat aus dem Amt scheidenden russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammentreffen wollte.
"Sollte Euren Völkern eine Gefahr drohen, werden Amerika und die Nato Euch zur Seite stehen", sagte Bush. Die Entscheidung zur Aufnahme Kroatiens und Albaniens nannte er einen "Vertrauensbeweis", dass beide Länder ihre Reformen fortsetzen und sich weiter an Nato-Einsätzen beteiligen würden. Mazedonien, das wegen eines Namensstreits mit Griechenland vorerst noch nicht aufgenommen wird, müsse "so schnell wie möglich seinen Platz in der Nato einnehmen", sagte Bush und würdigte die Beiträge Mazedoniens für Missionen der Militärallianz.
Mit Blick auf Serbien, einem engen Verbündeten Russlands, sagte der US-Präsident, er hoffe, "dass ein freies und erfolgreiches Serbien bald den ihm zustehenden Platz in der europäischen Familie" finden werde. Auf die ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien und Ukraine, denen auf dem NATO-Gipfel noch kein Kandidatenstatus für einen Beitritt zugebilligt wurde, ging Bush in seiner Rede nicht ein. Er hatte in Bukarest massiv für eine Aufnahme der beiden Länder in die Allianz geworben.
Vor seiner Rede war Bush am Freitagabend mit Kroatiens Präsident Stipe Mesic zusammengetroffen. Die 24-stündige Visite in Kroatien war der zweite Besuch eines US-Präsidenten seit der Unabhängigkeitserklärung des Balkanstaats im Jahr 1991. 1996 hatte Bushs Vorgänger Bill Clinton dem Land einen Besuch abgestattet.
Bei einer Protestaktion in der Zagreber Innenstadt unterzeichneten Dutzende Kroaten eine riesige Postkarte, in der Bush aufgerufen wird, nie mehr nach Kroatien zurückzukommen. In den kritischen Botschaften auf der Rückseite der 1,5 Meter hohen und zwei Meter breiten Karte wurde der US-Präsident als "Kriegsverbrecher" und "Diktator" beschimpft. Bereits am Vorabend hatten in der kroatischen Hauptstadt etwa 300 Menschen an einer Kundgebung gegen die "Aggressionspolitik" der USA teilgenommen.
Im Mittelpunkt der bis Sonntag dauernden Beratungen zwischen Bush und Putin im Seebad Sotschi am Schwarzen Meer sollten die US-Pläne zur Stationierung einer Raketenabwehr in Osteuropa stehen. In der Hoffnung darauf, dass Russland seinen Widerstand gegen das Projekt aufgibt, haben die USA der Regierung in Moskau eine Einbindung in das Projekt vorgeschlagen. Putin lehnt das Vorhaben aber weiterhin ab: Er vertritt den Standpunkt, dass die Stationierung die Sicherheit Russlands gefährde. Mit dem Besuch in Sotschi schließt Bush eine mehrtägige Reise durch Osteuropa ab.
flo/AFP