Neffe von Chinas Bürgerrechtler Chen Guangcheng kriegt keinen Anwalt - DER SPIEGEL
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Chinesischer Dissident Neffe von Chen Guangcheng bekommt Anwälte verordnet

Der Neffe des chinesischen Bürgerrechtlers Chen Guangcheng darf sich nicht von den Anwälten verteidigen lassen, die seine Familie ausgesucht hat. Der Mann sitzt wegen angeblichen Mordversuchs in Haft - doch Beobachter vermuten dahinter Schikane der Behörden.
Chens Guangchengs Krankenhaus in Peking: Sorge um inhaftierten Neffen
Chens Guangchengs Krankenhaus in Peking: Sorge um inhaftierten Neffen

Chens Guangchengs Krankenhaus in Peking: Sorge um inhaftierten Neffen

Foto: MARK RALSTON/ AFP
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Peking - Es ist die nächste Wendung im Drama um den Neffen des chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng. Chen Kegui, der wegen Mordversuchs in einem Gefängnis sitzt, bekommt zwei Anwälte zugeteilt. Dadurch kann er sich nicht von den Rechtsvertretern beraten lassen, die er und seine Familie ausgewählt hatten.

"Er darf nicht mehr als zwei Anwälte haben. Nachdem ihm die Behörden zwei zugeteilt haben, bekommen wir keine Chance mehr, ihn zu sehen", sagte Anwalt Ding Xikui der Nachrichtenagentur AP. Zusammen mit Si Weijiang hätte er auf Wunsch der Familie für Chen Kegui verhandeln sollen.

Chen Kegui war in der vergangenen Woche festgenommen worden, nachdem er sich nach eigenen Angaben mit einem Messer gegen Schläger verteidigt hatte, die nach der Flucht seines Onkels mit örtlichen Funktionären in sein Haus eingedrungen waren.

Wie der Anwalt Chen Wuquan am Samstag telefonisch der Nachrichtenagentur dpa bestätigte, werfen die Behörden Chen Kegui "vorsätzlichen Mord" vor. Dabei handele es sich um eine der Racheaktionen des Regimes, vor denen Chen Guangcheng nach seiner spektakulären Flucht aus staatlichem Arrest gewarnt hatte.

Ausreise des Dissidenten steht bevor

Der blinde chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng rechnet mit seiner baldigen Ausreise in die USA. Die Reisepässe für ihn, seine Frau und die beiden Kinder sollten innerhalb von zwei Wochen ausgestellt werden, sagte der 40-Jährige am Donnerstag in Peking. "Ich glaube, dass die Zentralregierung ihre Versprechen einhält."

Inzwischen seien alle Formalitäten erledigt, erklärte er. Behördenvertreter aus seiner Heimatprovinz Shandong, wo der Pass eigentlich beantragt werden müsste, seien am Mittwoch zu ihm ins Krankenhaus nach Peking gekommen, sagte Chen Guangcheng. Die ganze Familie habe die Papiere ausgefüllt und Passfotos gemacht. "Sie haben gesagt, dass wir die Pässe innerhalb von 15 Tagen bekommen können."

jok/AP/Reuters