Neue Proteste Demonstranten ziehen durch Budapest
Budapest - Etwa 15.000 Demonstranten verlangten auf den Straßen Budapests den Rücktritt von Gyurcsany. Ungarns Regierungschef ist in einen Lügenskandal verstrickt. Auslöser der Unruhen war die Veröffentlichung eines Tonbandprotokolls, in dem sich der Ministerpräsident selbst als Wahlkampf-Lügner bezichtigt hatte. Darin gab er unumwunden zu, das Volk bewusst über die prekäre Wirtschaftslage getäuscht zu haben.
In den vorangegangenen beiden Nächten waren bei
Ausschreitungen am Rande der Demonstrationen mehr als 200
Menschen verletzt und 137 Personen festgenommen worden. Die Polizei hatte heute allerdings die Stätten der gewaltsamen Ausschreitungen der vergangenen Tage weiträumig abgeriegelt. Darunter waren die Gebäude des staatlichen Fernsehens MTV und des Rundfunks sowie die Zentrale von Gyurcsanys Sozialistischer Partei (MSZP).
Die Polizei musste nach einer Bombendrohung vorübergehend das Gebäude des privaten Fernsehsenders HIR TV räumen. Das Programm war deswegen für etwa eine Stunde unterbrochen.
Trotz des Skandals um Gyurcsany, der das Land in die schwersten Unruhen seit dem Fall des Kommunismus stürzte, will der Regierungschef nicht abtreten. Der bürgerliche Oppositionschef Viktor Orban distanzierte sich von den gewaltbereiten Demonstranten, nannte die Sozialisten jedoch
regierungsunfähig.
kai/AP/AFP/dpa/Reuters