Neuer Versuch Iraker einigen sich auf Premier
Bagdad - Allawi ist Anführer der Irakischen Nationalen Eintracht (INA) und spielte bereits in der Exilopposition eine wichtige Rolle. Von 1961 bis 1971 gehörte er der Baath-Partei an und setzte sich dann ins Exil nach Beirut und London ab. Der Schiit ist Mitglied des irakischen Regierungsrates und soll über gute Kontakte zur CIA verfügen. Allawi ist gelernter Chirurg. Der Politiker präsentiert sich gerne als "starker Mann" mit Kompetenz in Sicherheitsfragen. Seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein macht er sich für die Interessen der "politisch sauberen" Offiziere der irakischen Armee stark.
Er soll nach der Machtübergabe am 30. Juni die Regierung übernehmen, gab Ratsmitglied Mahmud Othman heute in Bagdad bekannt. Ob er jedoch auch vom Uno-Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi mitgetragen wird, ist noch nicht bekannt.
Die Entscheidung für den schiitischen Politiker sei einstimmig gefallen, teilte Othman am Freitag mit. An der Sondersitzung, in deren Verlauf des weiteren ein Präsident und zwei Vizepräsidenten nominiert werden sollten, nahm auch US-Zivilverwalter Paul Bremer teil. Das Auswahlverfahren folge den Empfehlungen des Uno-Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi, sagte Mustafa al-Marajati, ein Mitarbeiter von Ratsmitglied Radscha Habib al-Chusaai. Brahimi ist damit beauftragt, die Übergangsregierung zusammenzustellen.
Allawi war während der Herrschaft von Saddam Hussein Generalsekretär der Oppositionsgruppe INA. Im Exil in London überlebte er 1978 einen Mordanschlag, den Saddam Hussein in Auftrag gegeben haben soll. Als führender Kopf der Exilopposition wurde Allawi vom US-Außenministerium, dem US-Geheimdienst CIA und dem britischen Geheimdienst MI-6 unterstützt.
Wahlen 2005 vorgesehen
Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira berichtete, als möglicher Präsident für die Übergangszeit, die Ende Juni beginnen soll, sei nun der Sunnit Ghasi al-Jawhar im Gespräch. Bislang galt Adnan al-Padschadschi als Favorit für dieses Amt.
Al-Dschasira berichtete am Freitag außerdem, Lakhdar Brahimi wolle spätestens am kommenden Montag die Mitglieder der neu zu bildenden Wahlkommission benennen. Diese sollen die für Januar 2005 vorgesehenen allgemeinen Wahlen organisieren.