"News of the World"-Affäre: Cameron rechnet mit Ex-Berater Coulsen ab - DER SPIEGEL
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"News of the World"-Affäre Cameron rechnet mit Ex-Berater Coulsen ab

David Cameron verlangt vom Murdoch-Verlag News International eine vollständige Aufarbeitung des "News of the World"-Abhörskandals. Der britische Premier sprach sich auch für strafrechtliche Schritte gegen Ex-Regierungssprecher Coulson aus, sollte dieser in die Affäre verwickelt sein.
Großbritanniens Premier Cameron: "Ein Feuersturm"
Großbritanniens Premier Cameron: "Ein Feuersturm"

Großbritanniens Premier Cameron: "Ein Feuersturm"

Foto: Pa Tv Grab/ dpa
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London - Großbritanniens Premierminister David Cameron geht im Abhörskandal um die inzwischen eingestellte Zeitung "News of the world" in die Offensive: Im Parlament forderte er die Verantwortlichen beim Verlag News International des Medienmoguls Rupert Murdoch zur vollständigen Aufarbeitung der Affäre auf. Diejenigen, die für die "schändlichen" Abhörpraktiken verantwortlich seien, sollten strafrechtlich verfolgt werden, sagte Cameron. Statt an die Übernahme des Bezahlsenders BSkyB zu denken, sollte News International den Skandal um angezapfte Telefone auf allen Ebenen aufarbeiten.

"Ein Feuersturm verschlingt Teile unserer Medien, Teile der Polizei und auch die Fähigkeit unseres politischen Systems, darauf zu reagieren", sagte Cameron. Der Premier verteidigte sich erneut dagegen, dass er den früheren Chefredakteur des Blattes "News of the World", Andy Coulson, zu seinem Berater gemacht hatte. Er habe dies auf der Basis getan, dass Coulson ihm versichert habe, in keinerlei kriminelle Aktivitäten verwickelt gewesen zu sein. "Wenn sich herausstellt, dass er gelogen hat, geht es nicht nur darum, dass er nicht Teil der Regierung hätte sein sollen, sondern dass er bestraft werden sollte", sagte Cameron.

Ex-Regierungssprecher Coulson war am Freitag vorübergehend festgenommen worden, kam aber auf Kaution wieder frei. Nach Polizeiangaben besteht der Verdacht der Bestechung sowie des Abhörens von Telefonen.

Cameron legte zudem Details zu einem geplanten richterlichen Untersuchungsausschuss dar. Dieser soll sich parallel zu den Polizeiermittlungen mit der "Not"-Affäre befassen und innerhalb eines Jahres einen Bericht vorlegen. Er soll Journalisten, Politiker, Polizisten und andere Beteiligte vorladen können, um unter Eid auszusagen. Untersucht werden sollen auch die Bestechungszahlungen an die Polizei.

Senderübernahme vorerst auf Eis

Rupert Murdochs News Corp. will für 14 Milliarden Dollar den Bezahlsender BSkyB übernehmen. Es wurde jedoch erwartet, dass das Parlament im Laufe des Mittwochs Murdoch auffordert, die Pläne aufzugeben. Die Entschließung hat zwar keine bindende Wirkung, verdeutlicht allerdings die Ablehnung des Geschäfts durch die Volksvertretung. Wegen des Abhörskandals um das Boulevardblatt "News of the World" liegt die schon sicher geglaubte Übernahme des Pay-TV-Unternehmens auf Eis. Journalisten der Zeitung wird vorgeworfen, Tausende Telefonate abgehört zu haben.

Zuletzt hatte das "Wall Street Journal" berichtet, Murdoch erwäge einen Verkauf seiner britischen Zeitungen, um weiteren Schaden aus dem Abhörskandal von seinem Imperium abzuwenden. Das Wirtschaftsblatt berichtete unter Berufung auf eingeweihte Personen, dass das Management bereits vorgefühlt habe, ob es Interessenten gebe.

Das "Wall Street Journal", das selbst zum Murdoch-Imperium gehört, schränkte allerdings gleich wieder ein, dass die Suche erfolglos verlaufen sei. Die wirtschaftliche Lage in der Zeitungsbranche sei einfach zu schlecht, als dass jemand habe zugreifen wollen. In sechs Monaten könnte die Idee aber erneut auf den Tisch kommen. Zur News Corp. gehören in Großbritannien das auflagenstarke Boulevardblatt "Sun" sowie "The Times" und "The Sunday Times".

Bis vor kurzem war auch noch das Blatt "News of the World" ein Teil des Murdoch-Imperiums, doch der Australier machte die Sonntagszeitung kurzerhand dicht, als immer neue Details über Handy-Abhöraktionen von Reportern herauskamen.

hen/can/Reuters/dapd/dpa