Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,
Spanien kommt nicht zur Ruhe. Nach dem chaotischen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien hat sich nun auch noch König Felipe zu Wort gemeldet. Das macht die Sache nicht besser. Felipe wirft der Regionalregierung in Katalonien vor, sie habe sich nicht an die Rechtsordnung Spaniens gehalten, und sie riskiere "die wirtschaftliche und soziale Stabilität" des Landes. Eine Vermittlerrolle (oder wenigstens ein Appell zum konstruktiven Dialog) wäre der Sache bestimmt dienlicher gewesen.
So schlägt sich der König klar auf die Seite der Zentralregierung. Das dürfte den Graben zwischen Madrid und vielen Katalanen weiter vertiefen. Die Regionalregierung verkündete, sie werde "innerhalb der nächsten Tage" die Unabhängigkeit ausrufen.
Donald Trump besucht Las Vegas
Es wird kein leichter Gang für den Präsidenten: Donald Trump wird heute in Las Vegas erwartet, er will dort mit Verletzten und Angehörigen von Opfern des Massakers sprechen. Trumps Vorgänger Barack Obama hat berichtet, dass solche Aufeinandertreffen für ihn stets die schwierigsten Momente seiner Präsidentschaft gewesen seien. Obama fand meist die richtigen Worte, auch abseits des vorbereiteten Manuskripts. Ob Trump das auch schafft? Sobald der Präsident keinen Teleprompter vor Augen hat, verrutschen ihm bekanntlich die Sätze.
In Puerto Rico erklärte er soeben vor Hurrikan-Opfern, sie könnten "stolz" sein, dass "nur" so wenige Menschen bei dem Unwetter gestorben seien. Ob die Inselbewohner darauf wirklich "stolz" sind?
Was wird aus Martin Schulz?
Allenthalben ist jetzt zu hören und zu lesen, Martin Schulz sei ein SPD-Parteichef auf Abruf. Die große Reportage meines Kollegen Markus Feldenkirchen im neuen SPIEGEL habe ihm geschadet und so weiter und so fort. Kann sein, kann nicht sein. Gleichwohl wird sich die SPD zweimal überlegen, ob sie bald schon den großen Generationswechsel ausrufen will. Ein paar höhere Semester in der Führung sind wichtig, vor allem in einer Partei, deren Mitgliedschaft eher der Schulz-Generation (und älter) angehört. Und: Die Zahl der vorzeigbaren politischen Großtaten von Nachwuchskräften wie Andrea Nahles und Manuela Schwesig ist bislang auch eher überschaubar.
Neue Weltunordnung
Wie sieht die zukünftige Rolle der USA in der Welt aus? Was passiert, wenn sich Amerika unter Donald Trump mehr und mehr aus seiner globalen Verantwortung zurückzieht? Über diese und andere Fragen der Weltpolitik diskutiert heute in Hamburg der frühere CIA-Chef, General David Petraeus, mit meiner Kollegin Britta Sandberg und mit Nora Müller von der Körber-Stiftung. Wir bieten Ihnen bei SPIEGEL ONLINE ab 19 Uhr einen Livestream zu der Veranstaltung an.
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
- Attacke in Las Vegas: Schütze plante seine Tat akribisch
- USA sollten laut Verteidigungsminister Mattis am Iran-Atomdeal festhalten
- Hackerangriff von 2013: Alle drei Milliarden Yahoo-Accounts betroffen
Gewinner des Tages...
...ist Frank-Walter Steinmeier. Der Bundespräsident hat zum Tag der Deutschen Einheit eine bemerkenswerte Rede gehalten. Er hat nach dem Wahlerfolg der AfD Fremdenfeindlichkeit verdammt, aber auch klare Zuwanderungsregeln gefordert und vor einem Auseinanderdriften der Gesellschaft gewarnt. Nun könnte man sagen, das sind alles wohlfeile Appelle. Stimmt nicht. Manche Wahrheiten müssen immer wieder laut und deutlich ausgesprochen werden. Und wenn dies der Präsident tut, umso besser.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag,
Ihr Roland Nelles