News: Syrien, Donald Trump, Konrad Adenauer, Frauke Petry - DER SPIEGEL
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Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

der amerikanische Präsident Donald Trump hat scharf und richtig reagiert. Am 77. Tag seiner Amtszeit gab Trump den Befehl zum Militärschlag gegen jenen Stützpunkt, von dem aus der syrische Diktator Baschar al-Assad mutmaßlich den Chemiewaffenangriff gegen sein eigenes Volk gestartet hat. Trumps Befehl war deshalb richtig, weil Feldzüge mit Sarin nicht ohne Antwort bleiben dürfen; weil der Westen nicht viele Jahre lang und dann eben noch ein bisschen länger einem Völkermord zusehen darf; und weil gezielte und genaue militärische Reaktionen möglich sind und effektiv sein können.

Trumps Erklärungen waren zwar seltsam, da allzu pathetisch und allzu religionsbeladen, aber er hat besser reagiert als sein Vorgänger Barack Obama, der eine "rote Linie" gezogen und damit Giftgasangriffe gemeint hatte, aber dann doch nichts tat, als Assad mit Giftgas morden ließ. Bis hierhin allerdings hatte Trump es vergleichsweise leicht; die Schwierigkeiten kommen erst noch.

Werden die USA es schaffen, das nun erneut beschädigte und durch Moskaus Eingriff in den Wahlkampf ohnehin komplex gewordene Verhältnis zu Russland zu bereinigen und ins Konstruktive zu wenden: damit eine militärische Konfrontation zwischen Wladimir Putin und Donald Trump, zwischen Russland und den USA, verhindert werden kann? Werden Trumps USA einen Plan für Syrien entwickeln können: damit der Bürgerkrieg beendet werden kann, ohne dass Syrien auf ähnliche Weise zugrunde geht wie Libyen oder der Irak, ohne dass also am Ende der IS der große Sieger in einem handlungsunfähigen Land sein wird? Und kann Donald Trump seine Politik so schlüssig gestalten, dass er nicht weiterhin allen syrischen Flüchtlingen, also auch jenen "beautiful babies", von denen er ständig spricht, die Einreise verweigert? Die Antworten werden wir in den kommenden Wochen, Monaten, Jahren erfahren. Durch Geduld, Klugheit und Konzentrationsfähigkeit ist Trump bislang nicht aufgefallen; hoffentlich ändert sich das nun.

Für den heute erscheinenden SPIEGEL analysiert ein Team um unseren Reporter Christoph Reuter und unsere Korrespondenten in Moskau und Washington (Christian Esch und Christoph Scheuermann) den Giftgaseinsatz und die weltpolitischen Folgen. Das digitale Heft finden Sie hier.

Im Video: Analyse von SPIEGEL-Korrespondent Christoph Reuter.

DER SPIEGEL

Die Titelgeschichte dieser Woche enthüllt Historisches: das diabolische Handeln und Denken des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Eine Überraschung? Einerseits nein. Wir SPIEGEL-Menschen kennen seit Langem zwei Adenauers. Natürlich war da immer diese Heldengeschichte, jene Erzählung von der Gründung der Bundesrepublik und ihrem gestrengen und gerechten Übervater. Aber für uns SPIEGEL-Menschen ist mit dem Namen Adenauer seit 1962 eben auch die SPIEGEL-Affäre verbunden, also Adenauers bitterböse Verleumdung ("ein Abgrund von Landesverrat") unserer Vorgänger und Kollegen, Adenauers Mitwisserschaft, die zur Mittäterschaft wurde, schließlich sogar zum Versuch, eine entstehende kritische Presse durch die Vernichtung des SPIEGEL zu maßregeln und einzugrenzen.

Konrad Adenauer

Konrad Adenauer

Foto: A0009 dpa/ dpa

Andererseits: Ja, wir staunten trotz dieses Vorwissens, als uns die Kollegen Klaus Wiegrefe und Felix Bohr die Ergebnisse monatelanger Recherchen präsentierten. Denn Konrad Adenauer war korrupt. Konrad Adenauer missbrauchte seine Macht, er verachtete die Bürger, die er "entsetzlich dumm" fand. Konrad Adenauer brach Gesetze und verriet die Verfassung, Konrad Adenauer ließ den Rivalen Willy Brandt bespitzeln und denunzieren. Ist er also wirklich der Übervater der deutschen Demokratie? Nein, gewiss nicht. Diese bundesdeutsche Demokratie entstand trotz dieses ersten Kanzlers. Sie hatte Glück, oder, positiver formuliert: Sie war bereits stark genug, diesen Bonner Autokraten auszuhalten und zu überstehen.

Was finden Sie noch im neuen SPIEGEL?

Ann-Katrin Müller und Lukas Eberle enthüllen, wie in Tauberbischofsheim über viele Jahre hinweg Fechterinnen mutmaßlich sexuell belästigt und missbraucht wurden - und wie feige sich offenbar wissende Funktionäre verhalten haben. Stefan Berg eröffnet eine Debatte über die Frage, ob Deutschland tatsächlich militärisch aufrüsten muss; die Antwort des Kollegen Berg in diesem ersten Text: auf gar keinen Fall. Johann Grolle schreibt über Schwarze Löcher und das Fotografieren derselben.

Im Video: Wie fotografiert man ein Monster?

DER SPIEGEL

Und als unser Reporter Alexander Osang für seine Reportage über die AfD-Politikerin Frauke Petry recherchierte, da reiste er auch in deren Vergangenheit. Osang besuchte die grauen Industriestädte, in denen Petry aufgewachsen ist, er fuhr nach Göttingen, wo sie studiert hat, er spazierte durch das sächsische Dorf Tautenhain, wo sie einst mit ihrer Familie lebte. Osang klapperte Veranstaltungen in ganz Deutschland ab, auf denen Petry auftrat. Die erste Erkenntnis: AfD-Wähler sind weitaus vielfarbiger, als Osang zunächst angenommen hatte. Die zweite Erkenntnis: Die Verehrung und Bewunderung, die Frauke Petry bei diesen Veranstaltungen entgegenschlägt, speist sich gerade aus der Ablehnung, die sie von Gegnern und Medien erfährt.

Frauke Petry

Frauke Petry

Foto: Uwe Anspach/ dpa
Reinhard Grindel

Reinhard Grindel

Foto: Martin Schutt/ dpa

... ist der affärenerfahrene Deutsche Fußball-Bund. Legendär war die Sportschule Kaiserau, doch nun erschüttert der Vorwurf jahrelanger sexueller Belästigungen auch diesen gleichsam sakralen Ort. Und wie ging der Verband mit den Informationen um, wie verhält sich die DFB-Spitze um ihren Präsidenten Reinhard Grindel? Auf ganz schön trostlose Weise führungsschwach.

Ihnen eine erkenntnis- und freudvolle Lektüre und ein schönes Wochenende,

herzlich

Ihr Klaus Brinkbäumer