Nordirland: Protestanten setzen Gewaltaktionen fort - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nordirland Protestanten setzen Gewaltaktionen fort

Die gewalttätigen Aktionen militanter Protestanten gegen das Verbot eines Marsches des Oranier-Ordens gingen in der Nacht in Belfast weiter. Maskierte Jugendliche setzten Autos in Brand. Im Norden der Stadt kam es zu einem Schusswechsel mit der Polizei.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Belfast - Es wurde erwartet, dass die Proteste noch mindestens bis Sonntag andauern werden. Für diesen Tag hat die nordirische Paradenkommission eine Parade des Oranier-Ordens durch das katholische Wohngebiet von Portadown verboten.

Nahe der katholischen Garvaghy Road in Portadown, rund 50 Kilometer südwestlich von Belfast, löste die Polizei unter Einsatz von Wasserwerfern eine Versammlung von mehreren hundert Protestanten auf. Die Beamten riegelten die Straße mit gepanzerten Fahrzeugen ab. Der Pfarrer der Kirche von Drumcree, John Pickering, rief Frauen und Kinder auf, sich von dem zentralen Punkt des Protests fern zu halten, weil sie dort in großer Gefahr seien. Der Chef der nordirischen Polizei, Ronnie Flanagan, erklärte daraufhin, Pickering hätte lieber "die Unruhestifter und nicht Unbeteiligte" aufrufen sollen, sich fern zu halten.

In mehreren Bezirken von Belfast blockierten Protestanten wichtige Straßen. Die Polizei richtete eine Sondertelefonleitung ein, bei der sich Autofahrer nach Ausweichstrecken erkundigen konnten. In der Hauptstadt sowie in Portadown stahlen Jugendliche den ganzen Tag kistenweise leere Flaschen, um aus ihnen Brandbomben für die Auseinandersetzungen mit der Polizei zu bauen. Auch in mindestens sechs weiteren nordirischen Städten kam es nach Angaben der Polizei zu Ausschreitungen. Berichte über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Der britische Nordirlandminister Peter Mandelson verurteilte die Gewalt.

Der Oranier-Orden erinnert mit seinen jährlichen Märschen an den Sieg Wilhelms von Oranien über den katholischen König James II. im 17. Jahrhundert. Die Polizei hatte die Marschierer aus dem katholischen Viertel in Portadown bereits in den vergangenen Jahren zurückgehalten, seit 1998 ist der Zug durch die Garvaghy Road untersagt. Zuvor war es bei den Paraden wiederholt zu blutigen Straßenschlachten gekommen.