Nordkorea: Diplomat setzt sich nach Südkorea ab - DER SPIEGEL
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Flucht nach Südkorea Nordkoreanischer Diplomat läuft zu Erzfeind über

Ein ranghoher nordkoreanischer Diplomat hat sich nach Südkorea abgesetzt. Er könnte wertvolle Informationen über das abgeschottete Regime liefern.
Thae Yong Ho
Thae Yong Ho

Thae Yong Ho

Foto: REUTERS TV/ REUTERS
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Nordkoreas stellvertretender Botschafter in London ist nach Angaben Südkoreas mit seiner Familie nach Seoul geflohen. Ausschlaggebend für die Flucht von Thae Yong Ho sei unter anderem Unzufriedenheit mit dem Regime von Machthaber Kim Jong Un gewesen, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul mit. Thae und seine Familie befänden sich unter dem Schutz der Regierung.

Es kommt äußerst selten vor, dass hochrangige Diplomaten Nordkorea den Rücken kehren. Der letzte bekannte Fall datiert aus dem Jahr 1997. Damals setzte sich der nordkoreanische Botschafter in Ägypten in die USA ab. Im gleichen Jahr floh der Spitzenfunktionär Hwang Jang Yop, ein früherer Vertrauter von Machthaber Kim Jong Il, nach Südkorea. Der 2010 im Exil gestorbene Hwang ist bis heute der höchstrangige Politiker, der in den Süden überlief.

Beobachter vermuten, dass der Diplomat wertvolle Informationen über das wegen seines umstrittenen Atomprogramms international isolierte Regime liefern könne. Unklar ist, wie er genau nach Südkorea gereist ist und wie viele Kinder er hat. Die südkoreanische Zeitung "JoongAng Ilbo" berichtete, dass Thae bereits Anfang dieses Monats seinen Posten in Großbritannien verlassen und ein Kind bei sich habe.

Thae habe lange Zeit in London gelebt, wo er die "liberale Demokratie" bewundert habe, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Er sei des Regimes überdrüssig gewesen, habe sich Sorgen um die Erziehung seiner Kinder und deren Zukunft gemacht.

Insgesamt flohen in den vergangenen Jahrzehnten fast 30.000 Nordkoreaner vor Armut und Unterdrückung in ihrem Heimatland in den Süden. Die Zahl der Überläufer, die einst bei 2000 pro Jahr lag, hat sich seit dem Amtsantritt von Kim Ende 2011 jedoch fast halbiert.

cte/dpa/AFP