Nordkorea: Kampf um Kim und seine Waffen - DER SPIEGEL
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Nordkorea Kampf um Kim und seine Waffen

Erstmals seit Ausbruch der Atomkrise wollen Nordkorea und die USA direkte Verhandlungen miteinander führen. Vorab gibt es erneut heftige Wortgefechte zwischen den Gegnern. Pjöngjang wirft Washington vor, den nächsten Krieg vorzubereiten. Der Chef der US-Truppen in Südkorea bezeichnete Nordkorea als Gefahr für die Weltsicherheit.
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Seoul/Sydney - Wenig versöhnliche Worte fand der Kommandeur der US-Truppen in Südkorea vor dem Treffen mit den Nordkoreanern. General Leon LaPortes nannte Nordkorea eine Bedrohung für die globale Stabilität und ein Störfaktor für die Friedensbemühungen für die Region.

Mit seiner Entwicklung von Atomwaffen, der Weiterverbreitung seiner Raketentechnik und dem Aufbau einer riesigen Armee an der Grenze zu Südkorea sei Nordkorea eine Gefahr für die Welt, sagte LaPorte am Dienstag. "Nordkorea hat eine Wirtschaft, die am Abgrund steht, und ein Atomwaffenprogramm." Dass Nordkorea eine Gefahr für den Frieden in der Region sei, sei keine Vermutung, sondern eine Tatsache, sagte LaPorte, der 37.000 Soldaten in Südkorea befehligt.

Pjöngjang unterstellte den USA am Dienstag, nach dem Sieg im Irak das nächste Regime auf der "Achse des Bösen" stürzen zu wollen. In einem Kommentar der staatlichen nordkoreanischen Zeitung "Rodong Sinmun" hieß es: "Die USA geraten außer sich." Hinter dem Lärm um das Atomprogramm stecke der Versuch, das kommunistische Land zu isolieren und zu ersticken.

Der Sturz von Staatschef Kim Jong Il ist nicht das erklärte Ziel Washingtons. Die Zeitung "New York Times" berichtete jedoch von einem Pentagon-Memorandum, wonach die USA zusammen mit China diplomatischen Druck auf Pjöngjang aufbauen wollten, um den Rücktritt der Regierung zu erreichen. Der Entwurf stamme von Regierungsbeamten, die gegen Wirtschaftshilfen für das verarmte Nordkorea seien, hieß es.

Die Zeitung berichtete weiter, das Memorandum stehe im Widerspruch zu Bemühungen des Außenministeriums, Kim Jong Il zu überzeugen, dass er nicht gestürzt werden solle. Das Bekanntwerden eines abweichenden Pentagon-Ansatzes bedroht demnach die diplomatischen Bemühungen. "Dass so ein schwerwiegender Plan auffliegt, gefährdet natürlich das Treffen am Mittwoch", sagte ein südkoreanischer Regierungsbeamter.

Der australische Außenminister Alexander Downer nahm am Dienstag zu einem australischen Zeitungsbericht Stellung. Demnach liegen in Washington auch Pläne für die Bombardierung der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon bereit.

Die Zeitung "The Australian" hatte berichtet, das Pentagon habe detailiert ausgearbeitete Angriffs-Pläne für den Fall, dass Nordkorea abgebrannte Brennstäbe wiederaufbereite. Der Plan sehe außerdem vor, die schwere Artillerie Nordkoreas anzugreifen, die in den Bergen über der Grenze zu Südkorea verschanzt sitzt.

Laut Downer ist der Bericht "vermutlich richtig". Die USA hätten für alle möglichen Entwicklungen Pläne. Sie würden aber alles tun, um eine diplomatische Lösung der Krise zu erreichen, sagte Downer.

Schon zu Beginn der neunziger Jahre hatte die damalige US-Regierung über die Bombardierung der Atomanlage nachgedacht, den Plan aber verworfen, nachdem der damalige Konflikt 1994 mit einem Abkommen gelöst wurde.

Die Gespräche zwischen den USA und Nordkorea über das nordkoreanische Atomprogramm sollen am Mittwoch in Peking stattfinden. Für die amerikanische Regierung nimmt der für die Region zuständige Unterstaatssekretär James Kelly teil. Die Gespräche sind auf drei Tage angesetzt. Es wird das erste Zusammentreffen zwischen Vertretern der USA und Nordkoreas seit der Verschärfung des Atomstreits im Oktober vorigen Jahres sein.

Damals hielt sich Kelly zu Gesprächen in Pjöngjang auf. Nordkorea räumte nach US-Angaben bei dem Besuch die Arbeit an einem geheimen Atomprogramm ein. Die USA und ihre Verbündeten stellten daraufhin ihre Öllieferungen ein. Nordkorea reagierte mit dem Ausstieg aus dem Atomwaffensperrvertrag und der Ausweisung der Kontrolleure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).