Nordkorea: Kim Han Sol kritisiert seinen Onkel Kim Jong Un - DER SPIEGEL
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Nordkorea Neffe rechnet mit Kim Jong Un ab

Er gehört zu einer der gefürchtetsten Familien der Welt, doch mit seinem Onkel Kim Jong Un will er nichts zu tun haben. Kim Han Sol, Neffe des Diktators von Nordkorea, hat die Zustände im kommunistischen Staat scharf kritisiert. Er selbst wolle mithelfen, das Leben in der Heimat zu verbessern.
Schüler Kim: Dinge zum Besseren verändern
Schüler Kim: Dinge zum Besseren verändern

Schüler Kim: Dinge zum Besseren verändern

Foto: AFP PHOTO / Cityportal/YLE / Mikko Kelloniemi
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Berlin/Mostar - Es kommt selten vor, dass sich internationale Medien für einen Gymnasiasten aus Mostar interessieren. Doch der Junge im schwarzen Anzug, mit den zwei Ohrsteckern und der Nerd-Brille ist kein gewöhnlicher Schüler. Kim Han Sol gehört einer der berüchtigtsten und geheimnisvollsten Familie der Welt an: der Kim-Dynastie, die Nordkorea seit der Unabhängigkeit 1948 diktatorisch regiert. Der 17-Jährige ist Urenkel von Staatsgründer Kim Il Sung, Enkel von dessen Nachfolger Kim Jong Il und Neffe des aktuellen Machthabers Kim Jong Un.

Die ehemalige finnische Ministerin und Uno-Diplomatin Elisabeth Rehn hat den jungen Mann, der derzeit eine internationale Schule in Bosnien-Herzegowina besucht, für den TV-Sender Yle aus Helsinki interviewt. In dem Gespräch schildert Kim seine Kindheit, die er weitgehend isoliert in Macao und China verbracht habe. Obwohl in Pjöngjang geboren, habe er weder seinen Großvater noch seinen Onkel jemals getroffen. Zeit seines Lebens habe er fast nur Kontakt zur Familie seiner Mutter gehabt.

In fließendem Englisch erklärt Kim, er träume davon, eines Tages in seine Heimat Nordkorea zurückzukehren. Dort wolle er "die Dinge zum Besseren verändern und das Leben der Leute leichter machen". Er würde gern daran mitwirken, Weltfrieden zu schaffen, "besonders zu Hause". Er hoffe auf die Wiedervereinigung der beiden Koreas. Seinen Onkel Kim Jong Un verurteilte der Schüler als Diktator.

Mitleid mit den Nordkoreanern

Über seinen Vater Kim Jong Nam, einen Halbbruder des jetzigen Staatschefs, sagt der Gymnasiast, er habe sich niemals für Politik interessiert und daher auch nicht die Nachfolge von Kim Jong Il antreten wollen. Lange galt Kim Jong Nam als Lieblingssohn des langjährigen Machthabers. Er geriet jedoch in Ungnade, als er 2001 versuchte, mit einem gefälschten Pass nach Japan einzureisen. Angeblich wollte er den dortigen Disneyland-Freizeitpark besuchen.

Kim Jong Nam und Kim Jong Un sind zwei von sechs Nachkommen des 2011 verstorbenen Diktators. Über die anderen Sprösslinge ist wenig bekannt, umso mehr Gerüchte kommen immer wieder auf. Mehrfach wurden Mitglieder der Dynastie angeblich im Ausland gesehen, vom Regime hat sich bislang jedoch nur der verstoßene Kim Jong Nam losgesagt.

Kim Han Sol äußert sich nicht zum ersten Mal kritisch über die Zustände in seinem Geburtsland. Im vergangenen Jahr hatte er auf Facebook und Twitter Einträge hinterlassen, in denen er seiner Familie die Schuld am Leiden der Nordkoreaner gab. Er selbst fühle sich schuldig, genug zu essen zu haben, während in seiner Heimat Menschen verhungerten, gab er an.

An seiner Schule habe er auch Kontakt zu Jugendlichen aus Südkorea, mit denen er sich immer besser verstehe. "Dadurch, dass ich diese Leute traf, habe ich den Schluss gezogen, mir die Meinungen beider Seiten anzuhören und meine eigenen Entscheidungen zu treffen."

syd