Nordkorea "Neue Scud-Rakete bedroht Japan"
Die Atomarsenale: Staaten in Besitz oder mit Ambitionen auf Kernwaffen
Foto: SPIEGEL ONLINESeoul - Die neue Raketenwaffe "Scud-ER" verfüge nicht nur über eine größere Reichweite von bis zu 1000 Kilometern, sondern auch über eine größere Zielgenauigkeit als bisherige Scud-B (300 Kilometer) oder Scud-C-Raketen (500 Kilometer), berichtete heute die auflagenstärkste Zeitung "Chosun Ilbo" unter Berufung auf eine Regierungsquelle in Seoul.
Auf die Entwicklung der neuen ballistischen Rakete hätten Bilder von US-Spionagesatelliten hingedeutet, hieß es. Ob die neuen Raketen schon stationiert worden sind, sei unklar. Vom Verteidigungsministerium in Seoul gab es keine Bestätigung für die Informationen. Der Start einer mehrstufigen Taepodong-Mittelstreckenrakete in Nordkorea hatte 1998 für erhöhte Spannungen in der Region gesorgt. Das Geschoss war über japanisches Gebiet geflogen und im Pazifischen Ozean niedergegangen.
Die USA wollen nach den Worten ihres Unterhändlers Christopher Hill den Atomstreit mit Nordkorea weiterhin auf friedlichem Wege beilegen. "Wir setzen uns sehr dafür ein, eine diplomatische Lösung zu finden", sagte Hill heute in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. "Wir stehen zum Sechs-Parteien-Prozess", fügte er hinzu. Hill ist US-Botschafter in Südkorea und seit Montag Vertreter seines Landes in den Gesprächen, an denen neben Nordkorea und den USA auch Südkorea, China, Russland und Japan teilnehmen.
Am Donnerstag hatte Nordkorea erklärt, es verfüge über Atomwaffen und werde an den Sechs-Parteien-Gesprächen nicht mehr teilnehmen. "Die nordkoreanischen Bemerkungen sind sicherlich nicht hilfreich für den Prozess", sagte Hill, "wir hoffen, dass sie die Weisheit haben werden, zu diesen Gesprächen zurückzukehren." Die USA hätten einen sehr guten Vorschlag vorgelegt und freuten sich, die Antwort Nordkoreas darauf zu hören.
Südkorea schlägt Nordkorea Gespräche auf hoher militärischer Ebene vor. Dabei soll es unter anderem darum gehen, wie Zusammenstöße an der umstrittenen Meeresgrenze zwischen den beiden Ländern verhindert werden können, erklärte das südkoreanische Verteidigungsministerium heute in Seoul. Bislang habe man noch keine Antwort aus Nordkorea, man sei aber zuversichtlich auf ein positives Signal hieß es.
Auch dieses bilaterale Treffen wäre eine Möglichkeit, den kommunistischen Norden wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte, das Angebot an Nordkorea sei am Freitag vergangener Woche übermittelt worden. Einen Tag zuvor hatte Pjöngjang erstmals offiziell erklärt, im Besitz von Atomwaffen zu sein. Südkorea bezweifelt dies jedoch, weil das Nachbarland bislang keine Tests durchgeführt hat.
Selbst wenn Nordkorea nukleare Waffen habe, verfüge es nicht über die Technologie, diese zu Atomsprengköpfen für Raketen weiterzuentwickeln, erklärten Vertreter des südkoreanischen Geheimdienstes heute bei einem Treffen mit Parlamentsabgeordneten. Das berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap. Auch ist es nach Ansicht der Experten unwahrscheinlich, dass Pjöngjang Nukleartechnologie ins Ausland verkauft hat.
Das weitgehend isolierte Nordkorea hat schon mehrfach mit der atomaren Karte gepokert, um aus dem Streit über sein Atomprogramm diplomatische und wirtschaftliche Vorteile zu ziehen. Die USA werfen Nordkorea seit mehreren Jahren vor, illegal Plutonium anzureichern.