Nordkorea: Pakistan soll Atomwaffen-Technik geliefert haben - DER SPIEGEL
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Nordkorea Pakistan soll Atomwaffen-Technik geliefert haben

Pakistan hat angeblich die Ausrüstung für Nordkoreas geheimes Atomwaffenprogramm geliefert. Die US-Regierung sieht derzeit allerdings keinen Grund für einen Feldzug gegen Nordkorea und seinen Führer Kim Jong Il. Der soll sogar getönt haben, es mit den USA in einem Atomkrieg aufnehmen zu wollen.
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New York/Washington - Kim habe gegenüber dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi vor einem Monat in Pjöngjang geäußert: "Ich kann nicht sagen, ob die Vereinigten Staaten (bei den Atomwaffen) überlegen sind, es sei denn wir führen einen Atomkrieg", berichtet die Zeitung "Sankei Shimbun" berief sich bei ihrem Bericht vom Freitag auf japanische und US-Quellen.

Wie die Zeitung "New York Times" berichtete, habe Pakistan Geräte an Nordkorea geliefert, darunter möglicherweise Gas-Zentrifugen zur Herstellung von waffenfähigem Uran. Im Gegenzug habe Nordkorea Pakistan Ende 1990 Raketen bereitgestellt. Die Zeitung berief sich auf Kreise der US-Regierung und deren Vorgänger.

Das US-Präsidialamt erklärte dem Bericht zufolge, es werde weder Pakistans Rolle noch irgendwelche Geheimdienst-Erkenntnisse diskutieren. Ein Sprecher der pakistanischen Botschaft in den USA sagte, es sei absolut falsch, dass sein Land Atomwaffentechnik an Nordkorea geliefert haben soll.

In US-Geheimdiensten nahe stehenden Kreisen hieß es dem Bericht zufolge: "Was wir hier haben, ist das perfekte Aufeinandertreffen von Interessen - Nordkorea hatte, was die Pakistaner brauchten, und die Pakistaner hatten einen Weg, mit dem Kim Jong Il ein Atom-Programm wieder starten konnte, das wir beendet hatten." China und Russland seien weniger bedeutende Lieferanten gewesen.

In den USA gehe man davon aus, dass Nordkorea sein Atomwaffenprogramm 1997 oder 1998 wieder aufgenommen hat, berichtete die Zeitung weiter. Dies sei etwa zu dem Zeitpunkt geschehen, als Pakistan mit Raketentests begonnen habe.

Nordkorea, laut US-Präsident George W. Bush neben Iran und Irak Teil einer "Achse des Bösen", hat nach Angaben der US-Regierung eingeräumt, mehrere Jahre lang ein geheimes Atomwaffenprogramm betrieben zu haben. Das kommunistische Land hatte sich 1994 in einem Abkommen mit den USA zur Beendigung seiner Atomwaffen-Entwicklung verpflichtet. Im Gegenzug war dem Land der Bau zweier vom Westen finanzierter Atomreaktoren zur friedlichen Nutzung zugesagt worden. Mit diesen Reaktoren kann kein waffentaugliches Plutonium erzeugt werden.

Die USA planen laut Außenminister Colin Powell derzeit allerdings keinen Krieg gegen Nordkorea. "Im Augenblick haben wir keine derartigen Pläne", sagte Powell in New York. Er fügte hinzu, dass bei der internationalen Gemeinschaft jedoch Erklärungsbedarf zu dem Atomwaffenprogramm bestehe. Bush hatte das Programm nach Angaben eines Sprechers als beunruhigend bezeichnet. Es müsse jedoch eine diplomatische Lösung gefunden werden, sagte der Sprecher.

"Nordkorea muss die Wahl treffen, ob es vorwärtskommen will und versuchen will, seinem Volk ein besseres Leben zu bieten, oder ob es seine beschränkten Ressourcen verschwendet, um Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, die nordkoreanische Kinder nicht ernähren können", sagte Powell.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, er gehe davon aus, dass Nordkorea bereits über "eine kleine Anzahl" von Atomwaffen verfüge. Eine Bestätigung für diese Annahme gebe es allerdings nicht, räumte er ein.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, vermutlich hätten auch Russland und China Nordkorea bei der Entwicklung eines Programms zur Anreicherung von Uran unterstützt. Die beiden Länder würden nun aufgefordert, ihre Kooperation mit Nordkorea zu beenden. In US-Regierungskreisen hieß es weiter, die USA würden nach den Erkenntnissen über das Atomwaffenprogramm ein wirtschaftliches Hilfsprogramm für Nordkorea auf Eis legen. Es sei ursprünglich in Erwägung gezogen worden, unter anderem Handelssanktionen gegen Nordkorea zu lockern.