Nordkorea umgeht Embargo für Luxusgüter - DER SPIEGEL
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Nordkorea: Trister Alltag in Pjöngjang

Foto: DPA / KCNA

Uno-Bericht Nordkorea umgeht Embargo für Luxusgüter

Die nordkoreanische Bevölkerung lebt in Armut, aber die Führung des abgeschotteten kommunistischen Landes lässt es sich gutgehen: Laut einem vertraulichen Uno-Bericht verschafft sich Pjöngjang trotz eines Embargos immer wieder Luxusgüter. Sehr beliebt sind Limousinen von Mercedes-Benz.
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Tokio - Die Tanzschuhe waren von feinster Qualität, hergestellt in den USA, Ladenpreis pro Paar: rund 200 Dollar. Die Ware sollte nach Nordkorea gehen, Kontrolleure konnten die Lieferung in das streng abgeschottete Land abfangen - dennoch gelingt es der kommunistischen Führung in Pjöngjang immer wieder, ein Embargo der Vereinten Nationen für Luxusgüter zu umgehen. So steht es laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters in dem Entwurf für einen vertraulichen Uno-Bericht.

Die Luxusgüter werden demnach auf dem Seeweg durch Strohmänner von China nach Nordkorea geschmuggelt. Zuletzt seien unter anderem gebrauchte Mercedes-Benz-Limousinen, große Mengen Tabak und mehrere Flaschen Reiswein in Nordkorea angekommen. Pjöngjang habe in der Vergangenheit aber auch Tausende Computer sowie Kosmetika im Wert von Tausenden Dollar erhalten, berichteten japanische Regierungsvertreter den Uno-Experten. Zwischen 2008 und 2010 habe es fünf registrierte Verstöße gegen das Embargo gegeben.

In dem Entwurf des Uno-Berichts heißt es laut dem Reuters-Bericht unter Berufung auf internationale Nordkorea-Besucher, dass in der Hauptstadt Pjöngjang Luxuslimousinen in den Straßen zu sehen seien. Auch gebe es teure Alkoholika und Kosmetika - Originale und Fälschungen - zu kaufen. Dies deute darauf hin, dass das Embargo "die Versorgung der politischen Elite sowie der wachsenden Mittelschicht in Pjöngjang noch nicht effektiv unterbunden" habe.

Probleme bei der Umsetzung des Embargos für Luxusgüter

Die Vereinten Nationen hatten im Oktober 2006 nach einem Atomtest Nordkoreas ein Embargo gegen das kommunistische Land verhängt. 2009 wurde das Embargo nach einem weiteren Atomtest Pjöngjangs verschärft - das Verbot für die Lieferung von Luxusartikeln soll verhindern, dass die politische Elite des Landes in Saus und Braus lebt, während die einfache Bevölkerung Hunger leidet.

Zuletzt hatten die USA ihre geplante Nahrungsmittelhilfe für Nordkorea abgesagt. Grund war ein umstrittener Raketenstart Pjöngjangs. Die Rakete, deren Test scheiterte, sollte nach nordkoreanischen Angaben einen Wettersatelliten ins All bringen. Nachbarstaaten und die USA vermuteten dagegen einen militärischen Test für eine Rakete, die mit Atomsprengköpfen bestückt auch Alaska erreichen könnte.

Uno-Experten zufolge ist das Luxusgüterembargo offenbar schwer umzusetzen. Es sei Sache der am Embargo teilnehmenden Länder, sogenannte schwarze Listen zu erstellen. Es gebe aber große Unterschiede, was auf den einzelnen Listen als Luxusgut eingestuft werde. So würde etwa China weder Alkoholika noch Kosmetika als Luxusware führen.

Vertreter der Uno reisten zuletzt auch in die Schweiz, um dem Verkauf teurer Uhren nach Nordkorea nachzugehen. Die Uno-Experten kamen dabei zu dem Ergebnis, dass auf offiziellem Weg keine Schweizer Luxusuhren nach Nordkorea verkauft wurden - die Lieferungen mussten also über andere Kanäle erfolgt sein. Wirtschaftsvertreter machten den Uno-Vertretern deutlich, dass es für die Hersteller kaum möglich sei, den genauen Weg von global vertriebener Ware zu verfolgen.

Das Luxusleben der nordkoreanischen Elite gilt als legendär. Dem im vergangenen Dezember verstorbenen Diktator Kim Jong Il wurde ein Faible für französischen Cognac nachgesagt, er soll unter anderem auch eine Sammlung von 20.000 Hollywood-Filmen besessen haben. Bei der Trauerfeier für Kim Jong Il waren mehrere luxuriöse Staatskarossen zu sehen, unter anderem Fabrikate aus den USA und Deutschland.

Die Uno prüft illegale Waffengeschäfte Pjöngjangs

2010 war ein österreichischer Geshäftsmann verurteilt worden - er hatte zusammen mit einem nordkoreanischen Mittelsmann versucht, zwei Yachten nach Pjöngjang zu verkaufen. Er soll dem Regime zudem mehrere Mercedes-Benz der S-Klasse und zahlreiche Musikinstrumente beschafft haben.

Die Uno prüft derzeit auch Hinweise auf mögliche illegale Waffengeschäfte zwischen Nordkorea und Syrien. In dem Bericht der Uno-Expertengruppe wird Pjöngjang vorgeworfen, aktiv gegen Sanktionsbestimmungen der internationalen Staatengemeinschaft verstoßen zu haben. So habe Frankreich im November 2010 ein Schiff aus dem kommunistischen Land gestoppt, das Material zur Herstellung von Artilleriemunition und Raketen nach Syrien transportieren wollte. Als Drehkreuz hätten die Häfen Dalian in China und Kelang in Malaysia gedient.

Die Berichte der Uno-Expertengruppe, die die Einhaltung von Sanktionen gegen Nordkorea überwacht, gelten als hochsensibel. China habe im Sicherheitsrat bereits in der Vergangenheit eine Veröffentlichung verhindert und könnte dies auch beim aktuellen Bericht versuchen, sagten Diplomaten zu Reuters.

hen/Reuters