Nuklearwaffen: Bin Laden war offenbar auf Einkaufstour - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nuklearwaffen Bin Laden war offenbar auf Einkaufstour

"Es ist klar, dass Bin Laden aktiv versucht, sich Massenvernichtungsmittel zu beschaffen." Dieser Satz soll in einem vertraulichen Bericht der Anti-Terror-Abteilung der Uno stehen. Und immer mehr deutet darauf hin, dass er stimmt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mainz - Nach Informationen deutscher Fernsehmagazine versuchte Osama Bin Ladens Terror-Organisation al-Qaida sich atomares Material für Waffen zu beschaffen. Die Gruppierung habe nach Einschätzung mehrerer Geheimdienste inzwischen genügend Material, um einen konventionellen Sprengsatz zu bauen, mit dem radioaktive Stoffe freigesetzt werden können, meldete das ZDF-Magazin "Frontal 21" am Montag. Auch das ARD-Magazin "Report Mainz" berichtet über Aktionen al-Qaidas für den Ankauf von Nuklearmaterial.

Der Rüstungskontrollexperte an der US-Universität Stanford, Friedrich Steinhäusler, sagte "Report Mainz": "Es ist uns bekannt, dass es sehr konkrete Versuche gegeben hat, seitens al-Qaida über Mittelsmänner und Vertreter des organisierten russischen Verbrechens an nukleares Material heranzukommen." Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft wollten am Montag zu dem Bericht nicht Stellung nehmen.

Die Gespräche über den Kauf von Nuklearmaterial dürften nach Darstellung Steinhäuslers in Europa stattgefunden haben. Die Verhandlungen würden jetzt auch von europäischen Sicherheitsdiensten untersucht. Dem Experten zufolge seien in Prag mehrere Kilogramm hochangereichertes Uran aus Russland sichergestellt worden, berichtet "Report Mainz". Die aufgeflogene Bande habe mit Mittelsmännern aus Weißrussland, Tschechien, Deutschland und Russland gearbeitet.

200.000 Dollar für Gründung einer Tarnfirma?

Ein ehemaliger hochrangiger bulgarischer Offizier sagte dem ZDF-Magazin "Frontal 21", Bin Laden habe ihm bei Treffen in Pakistan und Afghanistan im April 200.000 Dollar Honorar für die Gründung einer Tarnfirma für den Kauf von Nuklearabfällen angeboten.

Die ZDF-Sendung zitiert zudem aus einen vertraulichen Bericht der Anti-Terrorabteilung der Vereinten Nationen (Uno) ebenfalls aus dem April, in dem es heiße: "Es ist klar, dass Bin Laden aktiv versucht, sich Massenvernichtungsmittel zu beschaffen." Nach der Uno-Studie habe sich der illegale Handel mit radioaktivem Material in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Bei einem Großteil handele es sich um nukleare Abfälle, aber in jedem zehnten Fall sei waffenfähiges Uran oder Plutonium geschmuggelt worden. Quelle des Materials seien vornehmlich Atomanlagen der ehemaligen Sowjetrepubliken.

"Report Mainz" berichtete, der 1998 bei München festgenommene Bin-Laden-Vertraute Mamduh Mahmud Salim habe der US-Bundeskriminalpolizei FBI zufolge versucht, Komponenten für Nuklearwaffen zu beschaffen. Nach Informationen des ARD-Magazins wurde auf dem internationalen Schwarzmarkt seit 1999 nachweislich sechsmal nuklearwaffenfähiges Material angeboten. Es müsse aber von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Das gehe aus einem internen Dossier der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) hervor, das der Redaktion vorliegt.

Mehr lesen über