Grünen-Chef kritisiert Erdogan "Die Türkei braucht einen Präsidenten, der nicht auf Krieg setzt"
Grünenpolitiker Özdemir (Archiv): Erdogan nur an Machterhalt interessiert
Foto: Inga Kjer/ dpaDer Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat erneut den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wegen der Bombardierung von Kurden scharf angegriffen. "Was die Türkei braucht, ist ein Staatspräsident, der nicht auf Krieg setzt, um die nächsten Wahlen zu gewinnen", sagte er im ZDF-Sommerinterview. Erdogan sei nur an seinem Machterhalt interessiert. Zudem gefährde er mit den Angriffen gegen die Kurden den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Die Türkei tue so, "als ob sie den IS bekämpft, in Wirklichkeit bekämpft sie aber die Kurden, die im Kampf gegen den IS sind", sagte der Politiker. Özdemirs Eltern stammen aus der Türkei.
Özdemir rief die westlichen Partner der Türkei auf, Erdogan in die Pflicht zu nehmen: "Ich glaube, wir im Westen müssen klar machen, dass die Nato auch eine Wertegemeinschaft ist." Und wer wie die Türkei in die Europäische Union strebe, müsse wissen, dass dies nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten mit sich bringe. Allerdings habe die Türkei zurzeit keine realistische Chance auf eine EU-Mitgliedschaft. Diese müsse aber offen gehalten werden, sagte Özdemir.
Erst vor Kurzem hatte Özdemir die türkische Militäroffensive kritisiert und gesagt, die Türkei habe sich in ein "Mini-Pakistan" verwandelt.
Am Samstag hatte die Türkei Stellungen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak angegriffen. Nach kurdischen Medienberichten sollen hierbei mindestens acht Zivilisten ums Leben gekommen sein. Die Türkei dementiert die kurdischen Berichte.